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Westen
bereitete Tschetscheniens Abtrennung von Russland vor
Ankündigung
des Dokumentarfilms "Plan Kaukasus" im Ersten Kanal des Russischen
Fernsehens
für Dienstag, den 22. April 2008
Westliche
Geheimdienste haben in den 90er Jahren eine Operation vorbereitet, deren Ziel
die Abtrennung Tschetscheniens von Russland war. So wurden in Frankreich Pässe
für "Bürger der Republik Itschkerija" gedruckt, während in diese
nordkaukasische Teilrepublik Russlands via Georgien Waffen eingeschleust wurden...
So
berichtet ein türkischer Bürger tschetschenischer Abstammung, der seit 40
Jahren unter dem Decknamen Berkan Jashar lebt, den er bei der Unterzeichnung
eines Arbeitsvertrags mit US-Außenamt bekommen hatte, wie er Anfang der 90er
Jahre an einer politischen Plattform für die Abtrennung Tschetscheniens
gearbeitet hat. Nach
seinen Worten wurde das Projekt gleich aus mehreren Quellen finanziert. Die Pässe
für die nicht anerkannte "Republik Itschkerija" seien in Frankreich
und die Banknoten in Deutschland gedruckt worden.
Noch
in den Zeiten von Dschochar Dudajew,
Führer der separatistischen Bewegung Anfang der 90er Jahre in Tschetschenien,
hatte sich Berkan
Jashar an der Konzipierung und Umsetzung eines Plans beteiligt, bei dem es um
ein Tauschgeschäft "Rohdiamanten gegen Waffen" ging. Die Diamanten
wurden über den Flughafen von Grosny aus-, und die Waffen über Georgien nach
Tschetschenien eingeführt. Nach Angaben der Filmautoren habe dieser Kanal über
mehrere Jahre funktioniert...
"Dies
sind nur einige Episoden der misslungenen Operation der westlichen Geheimdienste
zur Vorbereitung einer Abtrennung Tschetscheniens von Russland", heißt es
in der Filmannonce.
RIA
Novosti, T:I:S, 23. April 2008 Dank an Dr. B. Siehe auch
r-archiv mit weiteren
Hinweisen, ohne Quellenangabe
*
"Russland wird Tschetschenien verlieren"
HAMBURG/NALTSCHIK/GROZNY (Eigener
Bericht) - Militärische Stellen der Bundesrepublik Deutschland gewähren
einem prominenten tschetschenischen Untergrundkämpfer sicheren Unterschlupf.
Dabei handelt es sich um Said-Khassan Abumuslimov, einen Beauftragten der
illegalen tschetschenischen Untergrundregierung. Abumuslimov verkehrt an der Führungsakademie
der Bundeswehr in Hamburg, wo er in einem "Wissenschaftlichen Forum für
Internationale Sicherheit e.V." tätig ist... (German Foreign Policy, 18.
Oktober 2005)
T:I:S, 18. Oktober 2005
*
Томас
Иммануэль
Штайнберг: Почему
Чечня? Позицию
отдельных
действующих
лиц
определяют
возможный
доступ к
каспийской
нефти и ее
дележ.
"Junge Welt",
Германия, 25
сентября 2004
http://www.inosmi.ru/translation/213274.html
Thomas Immanuel Steinberg
Warum
Tschetschenien?
Der
Terrorakt in Beslan und die Destabilisierung der Region
Die Schüsse und Explosionen in der Schule der
nordossetischen Stadt Beslan waren gerade verhallt, der Tathergang im dunkeln,
da zeichnete die westliche Presse schon ein Bild von angeblich blinder Gewalt
auf russischer wie tschetschenischer Seite, von Völkerhaß und religiösem
Fanatismus. Die Frage, worum sich denn wer im Kaukasus streite, ging unter in
einem Redeschwall von behaupteter Unfähigkeit einerseits, von purem Wahnsinn
andererseits. Vom »Gesetz der Blutrache« im Kaukasus sprach die bürgerliche
Neue Zürcher Zeitung, von »teuflisch raffinierter Zielauswahl« und »Kunstprodukten
der Sowjetpolitik«. In der jungen Welt wiederum schlug Knut Mellenthin vor, den
russisch-tschetschenischen Konflikt »nötigenfalls durch die Entlassung
Tschetscheniens in die Selbständigkeit« zu lösen.
Worum geht es in Tschetschenien, der russischen Republik mit den Nachbarländern
Georgien im Süden, Rußland im Norden, und den ebenfalls zu Rußland gehörigen
Republiken Dagestan, Nodossetien und Inguschetien?
Eine Million Einwohner hat die Republik Tschetschenien-Itschkerija. Sie ist 170
Kilometer lang und 100 Kilometer breit. Nach Jahrzehnten der Ausbeutung bleibt
im Boden noch etwas Öl und Gas, zu wenig für einen großen Streit. Doch liegt
Tschetschenien auf der Landenge zwischen dem Kaspischen Binnenmeer und dem
Schwarzen Meer am Nordrand des Kaukasus. Im Kaukasus sprechen die Leute über 50
verschiedene Sprachen und gehören ganz verschiedenen Religionen an. Teilweise mörderische
Konflikte gab es zwischen Azeris und Armeniern; Georgiern und Abchasen;
Inguschen und Russen; Kriegstote auch im georgischen Südossetien und jetzt in
der nordossetischen Stadt Beslan.
Der Nordkaukasus, und mit ihm Tschetschenien, bildet den Rand zum einst starken
Rußland. Die kaukasische Vielsprachigkeit und Multireligiosität bietet
zahlreiche Ansätze für Sezessionsbestrebungen, eigene wie importierte. Detlef
Bimoes vom Friedensforum Kassel schrieb 2002, was heute noch gilt: Eine
Abspaltung Tschetscheniens würde den Einfluß Rußlands in der Region weiter
schwächen und zugleich seine territoriale Unverletzlichkeit in Frage stellen.
»Eine Ausbreitung der Konflikte auf den gesamten, instabilen Nordkaukasus wäre
dann nicht mehr ausgeschlossen. Für Rußland ist das sehr gefährlich, weil
dadurch das zerbrechliche Miteinander der russischen Regionen mit ihren vielen Völkerschaften
insgesamt ins Rutschen kommen könnte. Überdies besitzt der Nordkaukasus auch
erhebliche militärstrategische Bedeutung als Truppenstützpunkt. Er ermöglicht
den Zugang zum Südkaukasus und zur gesamten türkisch-iranischen Grenze.« Rußland
hat, unabhängig vom langjährigen Konflikt mit den tschetschenischen
Separatisten, umfangreiche Militärkontingente in Tschetschenien stationiert.
Kaspisches Öl und Gas
Strategisch wichtig ist der Kaukasus auch durch das, was aus Rußlands Sicht
dahinter liegt: das Öl und Gas in Aserbaidschan unterm Kaspischen Meer und um
das Meer herum, im Iran, in Turkmenistan; und auch in Kasachstan. Rußlands Öl
und Gas decken den Eigenbedarf bei weitem: Das russische Bruttoinlandsprodukt,
also die wirtschaftliche Gesamtleistung einschließlich Waffenproduktion,
Maschinen- und Fahrzeugbau, liegt derzeit niedriger als das holländische. Für
Rußland gilt es, den Ressourcenverkauf zu steigern und daraus Mittel für
Investitionen zu ziehen. Darüber hinaus garantiert die Hand am Öl- und am
Gashahn politische Macht. Wohl deshalb hat Rußland als erdgasreichstes Land der
Welt kürzlich die Hälfte der riesigen turkmenischen Ergasvorkommen gekauft und
wird sie 25 Jahre lang nach Norden weiterleiten; Erdgas, das die United Oil of
California noch 1998 durch Afghanistan an den Indischen Ozean bringen wollte.
Öl und Erdgas sind unerläßlich für Autos, Heizung und Kühlung. Seltener
wird bedacht: Alle Plastikprodukte, vielleicht die Hälfte dessen, was in jedem
Wohnzimmer steht, hängt und liegt, ist auf Erdöl-Basis hergestellt. Für
Kunstdünger braucht es Erdgas, und Erdöl für Pflanzenschutzmittel. Keine Bewässerung,
kein Pflügen, Ernten oder Weiterleiten geht ohne Öl oder Gas. Ohne Öl ist
auch kein Krieg zu gewinnen.
Auf das transkaukasische Öl in Aserbaidschan hatte die Sowjetunion bis weit
nach ihrer Auflösung das Monopol. Es floß durch eine 100.000-Barrel-Leitung,
die sogenannte Nordroute von Baku über Machatschkala in Dagestan und über 146
Kilometer tschetschenischen Boden nach Noworossisk, also nach Rußland am
Schwarzen Meer. Doch 1999 eröffneten westliche Firmen eine vergleichbar dicke
Konkurrenzleitung von Baku nach Supsa an der georgischen Schwarzmeerküste –
ohne Berührung russischen Territoriums. Schlimmer für Rußland: Die
tschetschenischen Sezessionisten unterbrachen die Nordroute. Als Rußland einen
Bypaß durch Dagestan legte, versuchten die Sezessionisten auch in Dagestan Fuß
zu fassen. Die russische Zentralregierung schlug den tschetschenischen Angriff
zurück und kann bis heute den Bypaß nutzen.
Doch inzwischen waren die Pläne für eine weit größere Pipeline gereift: von
Baku über Georgien nicht ans Schwarze Meer, sondern durch kurdisches Gebiet in
die Türkei ans Mittelmeer. In Yumurtalik bei Ceyhan soll die BTC-Pipeline
(Baku, Tbilissi, Ceyhan) unter dem Konsortialführer BP Amoco enden. BP
Amoco ist ein britisch-US-amerikanischer Ölgigant. Die Transporttrasse ist
im Bau. Ab 2006 kann die Ölleitung eine Million Barrel fördern, das Zehnfache
der Nordroute. Eine teils parallel verlaufende Erdgasleitung ist geplant. Sie
soll die Rentabilität der 1.700-Kilometer-Trasse sichern.

Der Betreiber der russischen Pipeline, Transneft, hat Aserbaidschan im Gegenzug
den Ausbau seiner Nordroute angeboten. Die trockene Antwort der azerischen
staatlichen Ölfirma: »Ein Vergleich von Tarifsätzen für den Erdöltransport
durch die Pipelines Baku–Supsa und Baku–Noworossijsk ist nicht zu Gunsten
der russischen Variante. Und nach der Inbetriebnahme der Pipeline
Baku–Tblissi–Ceyhan im Jahre 2005 wird der Bedarf an der russischen Variante
überhaupt zurückgehen.«
Verliert die Nordroute, verlieren Tschetschenien und der Nordkaukasus ihre
Bedeutung für den Öldurchfluß, wenn die Baku–Tbilissi– Ceyhan-Leitung eröffnet
ist? Transneft gibt sich gelassen. Azerisches Öl könne durch kasachisches und
turkmenisches Öl vom anderen Ufer des Kaspischen Meeres leicht ersetzt werden.
Zum einen führt aber von den riesigen kasachischen Tengiz-Feldern, hauptsächlich
von Chevron erschlossen, bereits eine eigene kasachisch-russische Riesenpipeline
direkt ans Schwarze Meer. Zum anderen bietet die im Bau befindliche BTC-Pipeline
einen Vorteil. Sie vermeidet den Bosporus, den Ausgang des Schwarzen Meers zum
Mittelmeer bei Istanbul. Der Bosporus, so die Energy Information Agency beim
US-amerikanischen Energieministerium, ist ein Chokepoint – ein Würgepunkt.
Durch ihn würgen sich täglich Tanker mit einer Gesamtfracht von über 1,7
Millionen Barrel Rohöl, genug für den Benzinverbrauch von 40 Millionen Autos.
Weitere Schiffsbewegungen durch den Bosporus gefährdeten Istanbul, argumentiert
die türkische Regierung, den Profit fest im Auge, der dem türkischen Ölkonzern
SOCAR winkt, wenn das BTC-Öl erst über ihr Land fließt.
Die Konkurrenz zur russischen Nordroute, die BTC des britisch-US-amerikanischen
Konsortialführers BP Amoco, hat ebenfalls Schwächen. Sie führt zwar durch das
unstrittige Kerngebiet Georgiens. An dessen Rändern aber liegen die Krisenherde
Südossetien und Abchasien.

Und dann geht’s über kurdisches Gebiet durch die
Türkei. Politische Veränderungen in einem der beiden Länder könnten den
Durchfluß des Öls nach Ceyhan am Mittelmeer gefährden. Rußland wäre mit
seiner Nordroute wieder am Zuge – wenn sie denn intakt bleibt. So behält der
Nordkaukasus neben der militärischen bis auf weiteres auch seine
ressourcenstrategische Bedeutung. Tschetschenien, die Republik zwischen
Dagestan, Georgien, Nordossetien und Iguschetien, darf der russischen
Zentralregierung nicht entgleiten.
Springprozession
Anscheinend ganz anderer Meinung ist Uwe Halbach, im Deutschlandfunk vorgestellt
als Tschetschenien-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in
Berlin. Das ist eine regierungsnahe Denkfabrik. Tschetschenien habe wenig Öl,
daher, so Halbach nach den Morden von Beslan, lasse sich der Krieg mit der
russischen Zentralregierung kaum geopolitisch erklären. Und die Pipelines? Die
militärstrategische Rolle Tschetscheniens? Auf Nachfrage per Mail schwächt
Halbach seine Behauptung ab. Tschetschenien sei für den Export kaspischen Öls
wichtig gewesen. Nicht, daß der Faktor Öl und seine Exportlogistik keine
Bedeutung für den Konflikt hätten. Die Rolle des Öls, so habe er aufklären
wollen, werde überschätzt.
Vier Tage später nimmt Halbach in der taz Stellung zu Tschetschenien. Der
Konflikt in Tschetschenien, so Halbachs Zitat, sei Putin zufolge ein Krieg gegen
Rußland um »Territorien mit reichen Bodenschätzen«. Nach den
Geiselvergiftungen im Moskauer Musicaltheater im Oktober 2002 habe Putin, so
Halbach weiter, die externe Dimension noch stärker hervorgehoben. Doch Halbach
nennt das ein Propagandaargument zur Legitimation russischen Vorgehens. Wahr
sei: Tschetschenien erfahre islamistische Solidarität; Mudschaheddin aus dem
Ausland machten hier Station; und im tschetschenischen Widerstand würden die
Islamisten zunehmen. Mit keinem Wort spricht Halbach öffentlich über
kaspisches Öl oder Exportlogistik. Zur Beendigung russischer und
tschetschenischer Gewalt könne aber »die Einschaltung internationaler Politik
in die Konfliktbearbeitung« beitragen.
Der deutsche Regierungsberater hüpft vom Leugnen weltstrategischer Faktoren im
Radio zu einem Eingeständnis im elektronischen Zwiegespräch, von dort, wieder
leugnend, ins Hausblatt einer Regierungsfraktion – und landet bei Geopolitik
pur: Die eigene Seite solle sich einmischen. Warum diese Springprozession? Weil
Halbachs eigene Seite in Tschetschenien längst mitmischt.
Griff nach dem Ölhahn
Nach dem Zerfall der Sowjetunion gewannen die USA die Oberhand sowohl im ölreichen
Aserbaidschan als auch im Durchgangsland Georgien. Beide, zusammen mit der Türkei,
dem engsten US-Verbündeten im Nahen Osten neben Israel und Saudi-Arabien,
standen als Länderkette bereit für den Abfluß des kaspischen Öls unter
westlicher Kontrolle. Baker Botts, die texanische Anwaltskanzlei unter Leitung
des ehemaligen Außenministers James A. Baker III, handelte die Verträge
zwischen den beteiligten Ländern und Firmen für den Bau der BTC-Pipeline aus.
Eine Tochter der US-dominierten Weltbank und die Europäische Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung steuerten Kredite bei, Kredite also zum einen zu
Lasten der Bürger der beteiligten Länder: Auch die öffentliche deutsche
Kreditanstalt für Wiederaufbau ist indirekt beteiligt. Zum anderen und viel
wichtiger: Öffentliche Kredite zwingen die externen Länderregierungen, also
vor allem die USA und Großbritannien, aber auch Deutschland, zur Sicherung der
Kredite – bis hin zum militärischen Eingreifen.
Krisen wie die tschetschenisch-russische, die auf Dagestan und Inguschetien und
nach Südossetien im Norden Georgiens übergreift, und russische Aktivitäten im
sezessionsbedrohten georgischen Landesteil Abchasien gefährden also nicht nur
die privaten, sondern auch die öffentlichen Investitionen. Westliche
Firmenleitungen und Länderregierungen sitzen in einem Boot.
Die USA rudern und steuern
Boris Nemzow von der russischen Union Rechter Kräfte und der Liberale Wladimir
Ryschkow, zwei Anhänger Jelzins und seiner Raubprivatisierungen, bekämpfen
Putins Tschetschenienpolitik in Rußland. Unterstützung erhalten sie von der
Moskauer Filiale des Carnegie Endowment for International Peace, einem
Think-Tank in Stiftungform, der mit der privaten Rand Corporation (USA)
kooperiert. Von der Rand Corporation stammt der Plan zum »Greater Middle East«,
der Umgestaltung Nordafrikas, des Nahen Ostens und Mittelasiens zu einem Großraum
unter US-amerikanischer Hoheit.

Parallel zur Rand Corporation mobilisiert der
von Interpol gesuchte Tschetschene Achmed Sakajew vom Londoner Exil aus gegen
Putin. Der Separatist Ilias Achmadow sekundiert aus dem Washingtoner Exil. Beide
stehen mit den Rebellenführern Aslan Maschadow und Schamil Bassajew in
Tschetschenien in Verbindung. Dem russischen Oligarchen Boris Beresowski, einem
weiteren Putin-Gegner, hat Großbritannien politisches Asyl gewährt, Rußland
verlangt seine Auslieferung wegen zahlreicher Delikte.
John Laughland, Bevollmächtigter der British Helsinki Human Rights Group,
berichtet im Guardian von einer US-amerikanischen Organisation, die sich
demonstrativ für die tschetschenische Seite einsetzt: das American Committee
for Peace in Chechnya (ACPC). Ihm gehören rabiate Bush-Unterstützer an, vom früheren
Rumsfeld-Assistenten Kenneth Adelman über die neokonservativen Scharfmacher und
Likudniks Robert Kagan, Michael Ledeen und Richard Perle, über Reagans Außenminister
Alexander Haig und Reagans Verteidigungsminister Caspar Weinberger bis zu James
Woolsey, dem früheren CIA-Chef. Alle fauchen sie gegen den Islamismus und den
Al-Qaida-Terror, wo er auf den US-Imperialismus zielt. Hier schlagen sie sich
schützend auf die Seite der Terroristen. Wie reimt sich das zusammen?
Ein Name ragt aus der Masse der US-amerikanischen Stichwortgeber im angeblichen
»Kampf der Kulturen« hervor: Zbigniew Brzezinski. Der intellektuell wohl
brutalste Unterstützer der tschetschenischen Separatisten hat schon einmal, und
mit weltpolitischer Wirkung, Islamisten gegen das – damals sowjetische – Rußland
vor seinen Karren gespannt: als Sicherheitsberater von James Carter in
Afghanistan gegen die sowjetisch unterstützte afghanische Regierung. 1998
gestand Brzezinski in beispielloser Offenheit, was die sowjetische Seite immer
behauptet und der Westen jahrzehntelang als Greuelmärchen abgetan hatte:
US-amerikanisches Training, US-amerikanische Bewaffnung und aus den USA
gesteuerter Einsatz afghanischer Mudschaheddin gegen die sozialdemokratische
Regierung Afghanistans. Aus den Mudschaheddin gingen später die als Taliban
bezeichneten Kämpfer hervor.
Der Nouvel Observateur fragte Brzezinski in seiner Ausgabe vom 15.
Januar 1998:
Als die Sowjets ihren Einmarsch mit einer verdeckten Einmischung der Vereinigten
Staaten gerechtfertigt haben, hat ihnen niemand geglaubt. Es war aber etwas
dran... Bedauern Sie heute nichts?

Zbigniew Brzezinski
Brzezinski: Was denn bitte? Diese
geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Sie bewirkte, daß die Russen in
die afghanische Falle getappt sind. Sie sind in die afghanische Falle getappt,
und Sie wollen, daß ich das bedauere? Am Tag, als die Sowjets offiziell die
Grenze überschritten, habe ich dem Präsidenten Carter sinngemäß geschrieben:
Wir haben jetzt die Gelegenheit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu bescheren.
Moskau hat fast zehn Jahre lang einen für sein Regime unerträglichen Krieg führen
müssen, einen Krieg, der die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch
des sowjetischen Reiches nach sich gezogen hat.
Sie bedauern auch nicht, daß Sie sich auf die Seite des islamischen
Fundamentalismus gestellt haben, daß Sie künftigen Terroristen Waffen
geliefert und Ratschläge erteilt haben?
Brzezinski: Was ist wichtiger aus weltgeschichtlicher Sicht? Die Taliban
oder der Fall des sowjetischen Reiches? Einige aufgeregte Islamisten oder die
Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges?
Rußland sitzt in Tschetschenien womöglich schon zum zweiten Mal in einer
Falle, die ihr der schlaue Brzezinski gestellt hat.
Im Namen Heinrich Bölls
Als Zentrum der deutschen Beihilfe zur US-amerikanischen Tschetschenien-Politik
gilt der Redaktion von German Foreign Policy, einem linken Internet-Magazin, die
Deutsch-Kaukasische Gesellschaft. Sie vermittelte im Januar 2004 dem von
Interpol gesuchten tschetschenischen Separatistenführer Achmed Sakajew eine
Reise von London nach Berlin. Er traf dort unter anderem Winfried Nachtwei (Bündnis
90/Die Grünen), Ralf Fücks (Heinrich-Böll-Stiftung) und Alexander Rahr (Rußland-Experte
der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik/DGAP) auf Einladung der
SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen und Markus Meckel. Anläßlich des
Massakers in Beslan forderte der Vorsitzende der Deutsch-Kaukasischen
Gesellschaft, Ekkehard Maaß, in der Jungen Freiheit, dem Wochenblatt der
deutschen Rechten: Der russische Präsident sei »vor das
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag« zu stellen. »Eine Lösung des
Tschetschenien-Konflikts kann es nur mit Hilfe der Europäer und Amerikaner
geben«, erklärt Maaß: »Voraussetzung ist aber natürlich der Abzug der
Russen.«
Die deutsch-kaukasische Gesellschaft zielt auf Verschärfung der russischen
Probleme. Sie reduziert den Tschetschenien-Konflikt auf die militärische
Brutalität und die ethnisch-religiöse Komponente. Darin trifft sie sich mit
dem regierungsnahen Uwe Halbach, der die ressourcen- und geopolitische
Kriegslage Tschetscheniens in Deutschlandfunk und taz unterschlägt.
Tschetschenien ist für Rußland eine mörderische Gefahr, geschürt von Großbritannien,
den USA und Deutschland.
Erschienen
in der jungen Welt vom 25.
September 2004.
Dank für zahlreiche Hinweise an Knut
Mellenthin.
T:I:S,
25. September 2004
*
Steinberg Recherche Referent
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