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Judith Butler:Sind Sie sicher, daß Israel keinen Krieg will?Zum 60. Jahrestag der Gründung Israels veröffentlichte die US-Philosophin Judith Butler mit anderen Prominenten eine Traueranzeige in der International Herald Tribune. In einem Interview in der Zeit sagte sie dazu unter anderem:
Die Zeit, T:I:S, 15. Mai 2008 *Thomas Immanuel SteinbergFür eine Ethik der GewaltlosigkeitDrei Anregungen zur Lektüre von Judith Butler
Judith Butler, nicht-marxistische Linke in der Nachfolge von Michel Foucault, hat einige ihrer politischen Essays auf Deutsch veröffentlicht unter dem Titel „Gefährdetes Leben“. Das Kapitel mit der gleichen Überschrift „handelt von der offenkundig rechtswidrigen Inhaftierung der Taliban-Kämpfer in Guantánamo. Butler schreibt, dass die USA in dem Gefangenenlager einen Ausnahmezustand errichteten, um sich besser des nationalen und internationalen Rechts zu entledigen. In den Aussagen von Militärs und Politikern erkennt sie die Grundlage für eine dehumanisierende Politik,“ so der Deutschlandfunk in einer ausführlichen Rezension. Der Sender zitiert Butler:
Butlers Credo lautet nicht Umsturz und Blutvergießen, sondern Mitleid und Menschenrecht. Sie ist Humanistin und keine Revolutionärin. Doch gerade das könnte diejenigen, die Revolutionen für unabdingbar halten, zur Lektüre bewegen. Die zweite Anregung zum Lesen liefert Butlers zwei Jahre alter Aufsatz in der London Review of Books gegen den Präsidenten der Havard-Universität, Lawrence Summers. SteinbergRecherche hat daraus einige Passagen übersetzt. Der Harvard-Präsident hatte behauptet:
Als ein Beispiel führte Summers an, daß Israel einer Forderung zufolge solange keine Forschungsmittel aus europäischen Fonds gewährt werden sollten, wie das Land seine Besatzungspolitik fortsetze.Ein weiteres Beispiel: In Harvard und anderswo sei gefordert worden, Israel „als einzig herausgegriffenem Land“ keine universitären Stiftungsgelder mehr zu gewähren. Butler analysierte die geradezu antideutsch klingende Position von Summers und schloß:
Die dritte Anregung kommt aus der rechten Ecke: Auch die antideutsche Zeitschrift konkret besprach Butlers Buch. Kein Wort darin von Guantánamo oder von US-Medien, die islamisches Leben ausgelöschen - sondern:
Solche Sätze schreibt kein guter Mensch. Aber sie sind ein guter dritter Grund, das Buch zu lesen: Judith Butler, Gefährdetes Leben. Politische Essays, übersetzt von Karin Wördemann, Suhrkamp, 179 S., 10 Euro. T:I:S, 25. August 2005 *No, it's not anti-semiticDer Präsident der Havard-Universität, Lawrence Summers, hat im September 2002 vor zunehmendem Antisemitismus gewarnt: „Während Antisemitismus und tief sitzende antiisraelische Ansichten bisher das Reservat schlecht gebildeter rechter Populisten waren, finden nun tiefsitzende antiisraelische Ansichten zunehmend Unterstützung in progressiven intellektuellen Kreisen. Ernsthafte und nachdenkliche Leute fördern und unternehmen Schritte, die antisemitisch in ihrer Wirkung sind, wenn nicht der Intention nach.“ Als ein Beispiel führte Summers an, daß Israel einer Forderung zufolge solange keine Forschungsmittel aus europäischen Fonds gewährt werden sollten, wie das Land seine Besatzungspolitik fortsetze, siehe Willis Edmondson. Ein weiteres Beispiel: In Harvard und anderswo sei gefordert worden, Israel „als einzig herausgegriffenem Land“ keine universitären Stiftungsgelder mehr zu gewähren. Judith Butler, Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California in Berkeley anwortete dem Präsidenten in der London Review of Books. Hier wichtige Auszüge: „Summers hat der akademischen Freiheit einen Schlag versetzt, der Wirkung nach, wenn nicht der Intention nach.“ „Wenn wir denken, daß Kritik an israelischer Gewalt oder die Forderung nach wirtschaftlichem Druck auf den israelischen Staat, damit er seine Politik ändert, daß das ‚der Wirkung nach antisemitisch’ sei, dann werden wir unsere Stimme nicht mehr erheben aus Angst, wir könnten einem antisemitschen Unterfangen zugerechnet werden.“ „Wie soll man entschlossen vortragen, daß die israeliche Besatzung brutal und falsch ist, und palästinensische Selbstbestimmung ein notwendiges Gut, wenn die Bekundung dieser Ansicht den Vorwurf des Antisemitismus nach sich zieht?“ „Wenn wir sagen, daß der Fall Israel anders gelagert ist [als alle anderen Fälle], daß jede Kritik an Israel als Angriff auf Israelis - oder Juden - generell betrachtet wird, dann wird diese Staatsangehörigkeit ‚als einzige aus allen andern Staatsangehörigkeiten - über die ja offen debattiert werden kann - herausgegriffen.’“ „Wenn der Vorwurf des Antisemitsmus benutzt wird, um Israel, koste es, was es wolle, zu verteidigen, dann wird er in seiner Wirkung gegen die, die Juden diskriminieren, in Europa Synagogen beschädigen, Nazifahnen schwenken oder antisemitische Organisationen unterstützen, völlig verwässert. Viele Israelkritiker weisen die Behauptung antisemitischer Vorfälle inzwischen als „Erfindungen“ zurück, nachdem sie deren Verwendung als Mittel der Zensur von politischer Aussprache erlebt haben.“ „Damit eine Kritik an Israel als lebensbedrohlich für die Juden angesehen werden kann, müßten wir nicht nur unterstellen, daß ‚Israel’ sich aufgrund legitimer Kritik nicht ändern kann, sondern auch, daß ein radikaleres demokratisches Israel schlecht für die Juden wäre.“ „Was machen wir mit Jüdinnen wie mir, die emotional an den Staat Israel gebunden sind, seiner gegenwärtigen Verfassung kritisch gegenüberstehen und für einen radikalen Umbau seiner wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen eintreten, gerade weil wir Israel verbunden sind?“ „Israel mit dem Judentum zu identifizieren, verschleiert die Existenz einer kleinen, aber wichtigen post-zionistischen Bewegung in Israel, der die Philosophen Adi Ophir und Anat Biletzki angehören, der Soziologe Uri Ram, der Professor für Theaterwissenschaften Avraham Oz und der Dichter Yitzhak Laor… Was ist mit der neuen Brit-Tzedek-Organisation in den USA mit fast 20 000 Mitgliedern bei der letzten Zählung, die eine kritische Alternative anzubieten versucht zum American Israel Political Action Committee? Sie stellt sich gegen die gegenwärtige Besatzung und arbeitet für eine Zwei-Staaten-Lösung. Was ist mit Jewish Voices for Peace, Jews against the Occupation, Jews for Peace in the Middle East, mit der Faculty for Israeli-Palestinian Peace, mit Tikkun, Jews for Racial and Economic Justice, Women in Black oder Neve Shalom-Wahat al-Salam…? …Juden mit Zionisten gleichzusetzen oder Jüdischsein mit Zionismus - das geht nicht.“ „Die Ironie dabei ist, daß Summers, indem er Zionismus mit Jüdischsein gleichsetzt, genau die Taktik einschlägt, die die Antisemiten bevorzugen...Zu behaupten, daß alle Juden eine bestimmte Meinung zu Israel haben oder von Israel angemessen vertreten werden, oder umgekehrt, daß das Vorgehen Israels, des Staates, für das Verhalten aller Juden genommen werden kann, heißt, die Juden mit Israel zu verschmelzen und dadurch eine antisemitische Reduktion des Jüdischseins zu begehen.“ „Wenn israelischer Gewalt nicht mehr widersprochen werden kann, ohne sich den Vorwurf des Antisemitismus einzuhandeln, dann wirkt dieser Vorwurf als Einzäunung eines öffentlich akzeptierten Raumes der freien Rede und immunisiert israelische Gewalt gegen Kritik.“ Übersetzung: Thomas Immanuel Steinberg
Quellen: 1. Lawrence Summers: Address at morning prayers.Memorial Church, Cambridge, Massachusetts, September 17, 2002 http://president.harvard.edu/speeches/2002/morningprayers.html 2. Judith
Butler: No, it's not anti-semitic. London Review of Books,
T:I:S, 4. Dezember 2003
siehe auch: Andreas v. Bülow Norman Finkelstein Gaston Kirsche Marie-Dominique Vernhes Michel Warschawski Antisemitismus Wehe dir, Israel ! Kriegspropaganda Hexenküche *Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?
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