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University of California (UC), Berkeley

Mitte April 2010 debattierte der Student Senate neun Stunden lang die Initiative, Universitätskapital aus zwei US-Gesellschaften abzuziehen (General Electric und United Technologies), die direkt an der Besetzung der Westbank verdienen. Wesentliche Aktivisten für diese Initiative waren Juden. Die Initiative erreichte die deutliche Mehrheit der Repräsentanten, verfehlte allerdings die Zweidrittel-Mehrheit. Cecilie Surasky

It is simply unethical for UC to invest in such companies when they profit from the killing of civilians under conditions of a sustained military occupation that is manifestly illegal according to international law. 

Judith Butler, The Nation, T:I:S, 22. April 2010. Wie die Zionisten die Zweidrittelmehrheit verhindert haben, steht im Forward: Auffahren von Prominenten, Einschüchterung, Appell ans Jüdische... Anna Baltzer will, daß General-Electric- und United-Technologies-Aktien nicht mehr im Portefeuille der University of California gehalten werden. Beide Konzerne produzieren Waffen für die israelischen Besatzer. Video, sieben Minuten. T:I:S, 4. Mai 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/uebutler.htm#Berkeley

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Judith Butler am 3. März 2008 in der Reid Hall, Paris VIe                                                              Foto: tofoto

Judith Butler:

Sind Sie sicher, daß Israel keinen Krieg will?

Zum 60. Jahrestag der Gründung Israels veröffentlichte die US-Philosophin Judith Butler mit anderen Prominenten eine Traueranzeige in der International Herald Tribune. In einem Interview in der Zeit sagte sie dazu unter anderem:

Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit »Israel« meinen, da sich dessen Grenzen ständig verschieben.

Israel hat sich über UN-Resolutionen jeder Art hinweggesetzt. Ich könnte mehr als hundert nennen, die etwa israelische Militäroperationen verurteilten oder die illegale Aneignung von Boden kritisierten. Sie wurden mit dem Argument ignoriert, die Vereinten Nationen seien antiisraelisch, wenn nicht sogar antisemitisch.

Sind Sie sicher, dass Israel keinen Krieg will? Ich glaube, das ist in Deutschland schwer zu akzeptieren, weil die Idealisierung Israels wahrscheinlich die Entlastung von historischer Schuld erlaubt.

Die Zeit, T:I:S, 15. Mai 2008

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Thomas Immanuel Steinberg

Für eine Ethik der Gewaltlosigkeit

Drei Anregungen zur Lektüre von Judith Butler

 

Judith Butler, nicht-marxistische Linke in der Nachfolge von Michel Foucault, hat einige ihrer politischen Essays auf Deutsch veröffentlicht unter dem Titel „Gefährdetes Leben“. Das Kapitel mit der gleichen Überschrift „handelt von der offenkundig rechtswidrigen Inhaftierung der Taliban-Kämpfer in Guantánamo. Butler schreibt, dass die USA in dem Gefangenenlager einen Ausnahmezustand errichteten, um sich besser des nationalen und internationalen Rechts zu entledigen. In den Aussagen von Militärs und Politikern erkennt sie die Grundlage für eine dehumanisierende Politik,“  so der Deutschlandfunk in einer ausführlichen Rezension. 

 Der Sender zitiert Butler: 

In den Vereinigten Staaten und sicherlich in vielen europäischen Staaten, vornehmlich in England, gibt es äußerst entmenschlichende Bilder und Berichte nicht nur über die Iraker, sondern über den Islam insgesamt. Diese Karikaturen und Abwertungen bezwecken, die gesamte Bevölkerung als weniger menschlich erscheinen zu lassen. Durch die Bilder der Medien ist es in den USA schwierig, das Leben dieser Menschen, das ausgelöscht wurde, zu verstehen. Sorge für dieses Leben zu entwickeln, das Recht auf Leben und auf Anerkennung zu erkennen.

Butlers Credo lautet nicht Umsturz und Blutvergießen, sondern Mitleid und Menschenrecht. Sie ist Humanistin und keine Revolutionärin. Doch gerade das könnte diejenigen, die Revolutionen für unabdingbar halten, zur Lektüre bewegen.

Die zweite Anregung zum Lesen liefert Butlers zwei Jahre alter Aufsatz in der London Review of Books  gegen den Präsidenten der Havard-Universität, Lawrence Summers. SteinbergRecherche hat daraus einige Passagen übersetzt. Der Harvard-Präsident hatte behauptet:

Während Antisemitismus und tief sitzende antiisraelische Ansichten bisher das Reservat schlecht gebildeter rechter Populisten waren, finden nun tiefsitzende antiisraelische Ansichten zunehmend Unterstützung in progressiven intellektuellen Kreisen. Ernsthafte und nachdenkliche Leute fördern und unternehmen Schritte, die antisemitisch in ihrer Wirkung sind, wenn nicht der Intention nach.  

Als ein Beispiel führte Summers an, daß Israel einer Forderung zufolge solange keine Forschungsmittel aus europäischen Fonds gewährt werden sollten, wie das Land seine Besatzungspolitik fortsetze.Ein weiteres Beispiel: In Harvard und anderswo sei gefordert worden, Israel „als einzig herausgegriffenem Land“ keine universitären Stiftungsgelder mehr zu gewähren.

Butler analysierte die geradezu antideutsch klingende Position von Summers und schloß:

Die Ironie dabei ist, daß Summers, indem er Zionismus mit Jüdischsein gleichsetzt, genau die Taktik einschlägt, die die Antisemiten bevorzugen...Zu behaupten, daß alle Juden eine bestimmte Meinung zu Israel haben oder von Israel angemessen vertreten werden, oder umgekehrt, daß das Vorgehen Israels, des Staates, für das Verhalten aller Juden genommen werden kann, heißt, die Juden mit Israel zu verschmelzen und dadurch eine antisemitische Reduktion des Jüdischseins zu begehen.

Die dritte Anregung kommt aus der rechten Ecke: Auch die antideutsche Zeitschrift konkret  besprach Butlers Buch. Kein Wort darin von Guantánamo oder von US-Medien, die islamisches Leben ausgelöschen - sondern: 

Es ist der klassische Dreh des zeitgenössischen Antizionismus. Sein Credo lautet nicht Umsturz und Blutvergießen, sondern Mitleid und Menschenrecht (!): ein Antizionismus der Herzen, der unmittelbar dem Wahren, Schönen und Guten entspringt. Butler bedient ihn meisterhaft: Wer dabei ist beim basisdemokratischen Kampf gegen Israel, kann einfach kein schlechter Mensch sein.

Solche Sätze schreibt kein guter Mensch. Aber sie sind ein guter dritter Grund, das Buch zu lesen: Judith Butler, Gefährdetes Leben. Politische Essays, übersetzt von Karin Wördemann, Suhrkamp, 179 S., 10 Euro.

T:I:S,  25. August 2005

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No, it's not anti-semitic

Der Präsident der Havard-Universität, Lawrence Summers, hat im September 2002 vor zunehmendem Antisemitismus gewarnt:

„Während Antisemitismus und tief sitzende antiisraelische Ansichten bisher das Reservat schlecht gebildeter rechter Populisten waren, finden nun tiefsitzende antiisraelische Ansichten zunehmend Unterstützung in progressiven intellektuellen Kreisen. Ernsthafte und nachdenkliche Leute fördern und unternehmen Schritte, die antisemitisch in ihrer Wirkung sind, wenn nicht der Intention nach.“

Als ein Beispiel führte Summers an, daß Israel einer Forderung zufolge solange keine Forschungsmittel aus europäischen Fonds gewährt werden sollten, wie das Land seine Besatzungspolitik fortsetze, siehe Willis Edmondson.  Ein weiteres Beispiel: In Harvard und anderswo sei gefordert worden, Israel „als einzig herausgegriffenem Land“ keine universitären Stiftungsgelder mehr zu gewähren.

Judith Butler, Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California in Berkeley anwortete dem Präsidenten in der London Review of Books. Hier wichtige Auszüge:

„Summers hat der akademischen Freiheit einen Schlag versetzt, der Wirkung nach, wenn nicht der Intention nach.“

„Wenn wir denken, daß Kritik an israelischer Gewalt oder die Forderung nach wirtschaftlichem Druck auf den israelischen Staat, damit er seine Politik ändert, daß das ‚der Wirkung nach antisemitisch’ sei, dann werden wir unsere Stimme nicht mehr erheben aus Angst, wir könnten einem antisemitschen Unterfangen zugerechnet werden.“

„Wie soll man entschlossen vortragen, daß die israeliche Besatzung brutal und falsch ist, und palästinensische Selbstbestimmung ein notwendiges Gut, wenn die Bekundung dieser Ansicht den Vorwurf des Antisemitismus nach sich zieht?“

„Wenn wir sagen, daß der Fall Israel anders gelagert ist [als alle anderen Fälle], daß jede Kritik an Israel als Angriff auf Israelis - oder Juden - generell betrachtet wird, dann wird diese Staatsangehörigkeit ‚als einzige aus allen andern Staatsangehörigkeiten -  über die ja offen debattiert werden kann - herausgegriffen.’“

„Wenn der Vorwurf des Antisemitsmus benutzt wird, um Israel, koste es, was es wolle, zu verteidigen, dann wird er in seiner Wirkung gegen die, die Juden diskriminieren, in Europa Synagogen beschädigen, Nazifahnen schwenken oder antisemitische Organisationen unterstützen, völlig verwässert. Viele Israelkritiker weisen die Behauptung antisemitischer Vorfälle inzwischen  als „Erfindungen“ zurück, nachdem sie deren Verwendung als Mittel der Zensur von politischer Aussprache erlebt haben.“

„Damit eine Kritik an Israel als lebensbedrohlich für die Juden angesehen werden kann, müßten wir nicht nur unterstellen, daß ‚Israel’ sich aufgrund legitimer Kritik nicht ändern kann, sondern auch, daß ein radikaleres demokratisches Israel schlecht für die Juden wäre.“

„Was machen wir mit Jüdinnen wie mir, die emotional an den Staat Israel gebunden sind, seiner gegenwärtigen Verfassung kritisch gegenüberstehen und für einen radikalen Umbau seiner wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen eintreten, gerade weil wir Israel verbunden sind?“

Israel mit dem Judentum zu identifizieren, verschleiert die Existenz einer kleinen, aber wichtigen post-zionistischen Bewegung in Israel, der die Philosophen Adi Ophir und Anat Biletzki angehören, der Soziologe Uri Ram, der Professor für Theaterwissenschaften Avraham Oz und der Dichter Yitzhak Laor… Was ist mit der neuen Brit-Tzedek-Organisation in den USA mit fast 20 000 Mitgliedern bei der letzten Zählung, die eine kritische Alternative anzubieten versucht zum American Israel Political Action Committee? Sie stellt sich gegen die gegenwärtige Besatzung und arbeitet für eine Zwei-Staaten-Lösung. Was ist mit Jewish Voices for Peace, Jews against the Occupation, Jews for Peace in the Middle East, mit der Faculty for Israeli-Palestinian Peace, mit Tikkun, Jews for Racial and Economic Justice, Women in Black oder Neve Shalom-Wahat al-Salam…? …Juden mit Zionisten gleichzusetzen oder Jüdischsein mit Zionismus - das geht nicht.“

„Die Ironie dabei ist, daß Summers, indem er Zionismus mit Jüdischsein gleichsetzt, genau die Taktik einschlägt, die die Antisemiten bevorzugen...Zu behaupten, daß alle Juden eine bestimmte Meinung zu Israel haben oder von Israel angemessen vertreten werden, oder umgekehrt, daß das Vorgehen Israels, des Staates, für das Verhalten aller Juden genommen werden kann, heißt, die Juden mit Israel zu verschmelzen und dadurch eine antisemitische Reduktion des Jüdischseins zu begehen.“

„Wenn israelischer Gewalt nicht mehr widersprochen werden kann, ohne sich den Vorwurf des Antisemitismus einzuhandeln, dann wirkt dieser Vorwurf als Einzäunung eines öffentlich akzeptierten Raumes der freien Rede und immunisiert israelische Gewalt gegen Kritik.“

Übersetzung: Thomas Immanuel Steinberg 

 

Quellen:

1. Lawrence Summers: Address at morning prayers.Memorial Church, Cambridge, Massachusetts, September 17, 2002 http://president.harvard.edu/speeches/2002/morningprayers.html

2. Judith Butler: No, it's not anti-semitic. London Review of Books, Vol. 25 No. 16 dated 21 August 2003  http://www.lrb.co.uk/v25/n16/print/butl02_.html

T:I:S, 4. Dezember 2003

 

siehe auch: Andreas v. Bülow Norman Finkelstein Gaston Kirsche Marie-Dominique Vernhes Michel Warschawski Antisemitismus Wehe dir, Israel ! Kriegspropaganda Hexenküche 

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