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Jenseits des Dollar? 

Rainer Rupp, 4. November 2008

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Das Imperium wird zurückschlagen

Pepe Escobar über die Kish-Börse, die iranische Ölbörse, die zunächst in heimischer Währung, später in Rubel verrechnen will.

T:I:S, 21. Februar 2008. Dank an Ruedi

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Es bedarf nur eines kleinen Anstoßes:

Saudi-Arabien fakturiert in Euro, statt in Dollar  - und die US-Wirtschaft bricht zusammen. Chalmers Johnson, Kurzvideo bei antiwar.com; unten auf der Seite Audio, 30 Minuten; Aufsatz bei tomdispatch

Siehe auch die Rezension des Buches von Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf. Vom März 2003 (!). Grund des Zusammenbruchs des Imperiums: die Rüstung. 

Der Strudel dürfte als erstes das reine Rüstungsland Israel mitreißen.

T:I:S, 3. Februar 2008

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Death of the Dollar

Video von Aljazeera bei Information Clearing House

Recht verständliche Darlegung der Gründe für den Dollarverfall von Paul Craig Roberts. Der zweite Teil endet stimmungvoll auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Spazieren Sie dort, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, unter dem Buchstaben P zum Grab von Marcel Proust, und schließlich zu Cóilín Nunan, der das alles schon 2003 erklärt hat. 

Die Zerstörung des Irak, die Kriegsdrohung gegen den Iran und die Hetze gegen Venezuala haben nichts mit angeblichen Massenvernichtungswaffen, Humanität oder Judäophobie zu tun, sondern ausschließlich mit Herrschaft also mit Ihrer Unterdrückung. Als Abrundung eignet sich Milan Rai.

T:I:S, 25. Dezember 2007. Dank an Ruedi, ein Schweizer, wie der Name sagt.

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Iran: Der Dollar ist nackt! Saudi-Arabien: Pst, nicht weitersagen! 

Agence France-Presse, T:I:S, 19. November 2007. Dank an Martin Zeis

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Die US-Streitkräfte am Persischen Golf tragen auch zur Sicherung der eigenen Währung bei. Ohne den erwünschten Schutz der USA hätte manch ein Golfland seine Dollarbestände bereits stärker abgebaut. Auf lange Sicht ist eine breitere Währungsstreuung der globalen Devisenreserven aber unvermeidlich.

Handelsblatt, 19. Oktober 2007

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Dollar-Crash-Gefahr. Die Asiatische Entwicklungsbank - Asian Development Bank - schlägt Alarm. 

International Herald Tribune, 28. März 2006

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Tomdispatch: Also können Sie sich vorstellen, daß die chinesische, die japanische und die europäische Wirtschaft ohne uns laufen - und nicht mit uns abstürzen.
Chalmers Johnson: Vollkommen richtig, das könnten sie...
Tomdispatch: Wie lange, glauben Sie, wird der Dollar die  internationale Währung bleiben? Ich habe kürzlich vernommen, daß der Iran droht, auf den Euro umzusteigen.
Chalmers Johnson: Ja, sie versuchen, eine Ölbörse auf Euro-Basis aufzubauen. Jedes Land könnte das tun. In der volkswirtschaftlichen Anfängervorlesung an jeder amerikanischen Universität können Sie hören, daß ein Land, das das größte Außenhandelsdefizit der Wirtschaftsgeschichte fährt, einen Preis zahlen muß, wenn das Weltwirtschaftssystem wieder ins Gleichgewicht gebracht werden soll. 

Interview Teil 2; Teil 1.  T:I:S, 24. März 2006

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Iranische Ölbörse. Replik von Winfried Wolf (.rtf-Datei) auf die Kritik von Ralph Kutza   

T:I:S, 24. März 2006 

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Ralph Kutza: Eine Replik auf den Beitrag “Iran-Krieg wegen Dollar?” in der jungen Welt vom 22.03.06 von Winfried Wolf. Winfried Wolfs Beitrag und Ralph Kutzas Replik, jetzt auch im Saar-Echo 

 T:I:S, 23. und 26. März 2006

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Siehe auch: Rainer Sommer: Iranische Öl-Börse. Unfug oder Bedrohung für die Dollar-Hegemonie? Telepolis, 16.03.2006 

T:I:S, 22. März 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

In der Dollar-Klemme 

Die iranische Ölbörse – Gefahr oder Panikmache? 

Öl wird in US-Dollar gehandelt, ebenso wie ein Großteil der übrigen Welthandelsgüter. Doch im Juni 2004 verkündete der Iran, er plane eine Ölbörse auf Euro-Basis.(1) Nach älteren Pressemeldungen sollte sie am vergangenen 20. März 2006 ihre Tore öffnen, doch der Termin wurde verschoben.  

Könnte die Teheraner Börse späterhin einen Dollar-Crash oder gar eine Weltwirtschaftskrise auslösen? Droht deshalb der Westen dem Iran mit Krieg? Im Netz kursieren solche Behauptungen. Die Financial Times Deutschland hat versucht, sie zurückzuweisen, mit guten und mit schlechten Argumenten.(2) 

Die Lage der Weltwirtschaft

Unstrittig ist die weltwirtschaftliche Lage: Die USA führen 50% mehr Waren ein als aus. Die EU, China und ein paar andere Länder führen in die USA mehr aus, als sie von dort einführen. Das – übrigens ständig wachsende – Außenhandelsdefizit der USA bedeutet: Europäer und Chinesen stellen mehr Güter her, als sie verbrauchen, und US-Amerikaner verbrauchen mehr Güter, als sie herstellen. Das ständige und ständig wachsende Außenhandelsdefizit ist ein ständiges zinsloses Darlehen Europas und Chinas an die USA. Die Gläubigerländer gewähren den USA deshalb den Dauer-Kredit, weil zum einen ihre exportorientierten Industriellen davon profitieren; zum andern bildet er eine Kompensation für US-amerikanische Kriegs-Aufwendungen  im weltkapitalistischen Interesse. Die Hersteller der Waren, die arbeitenden Chinesen und Europäerinnen, haben das Nachsehen; die US-amerikanischen Verbraucher haben insoweit einen Vorteil, als ihnen die herrschende Klasse von teilweise kreditierten Waren zu leben gestattet, von Gütern also, die sie nicht hergestellt haben. 

Die Crash-Gefahr   

Freilich bezahlen die US-amerikanischen Importeure die Ware, und zwar in Dollar. Die ausländischen Exporteure kaufen vom Dollar-Erlös Anlagen in den USA: Immobilien, Fabriken und Besitztitel über Immobilien und Fabriken, also Anleihen und Aktien. Solange der Dollar seinen Wert behält oder sogar steigt, vermehren sie ihr Vermögen. Sinkt er, werden sie ihr Vermögen zu sichern versuchen, die Werte verkaufen, die erlösten Dollar zum Beispiel in Euro umtauschen und Werte in Euro-Land kaufen. Dadurch würde der Dollar, weil stärker angeboten und weniger nachgefragt, im Wert sinken. US-amerikanische Importeure könnten wegen des niedrigen Dollar-Werts nicht mehr soviel einkaufen. In die USA importierte Ware würde dort teurer werden, und die US-Verbraucher könnten nicht mehr soviel davon erwerben. Entsprechend könnten europäische und chinesische Exporteure nicht mehr soviel an die USA verkaufen. Fehlt es gleichzeitig in Europa an Binnennachfrage, sprich: fehlt den Leuten und dem Staat das Geld zum Ausgeben im Lande, wie zur Zeit der Fall, müßten hier Fabriken schließen, noch weniger Leute hätten Geld zum Einkaufen, und die Steuereinnahmen würden sinken. Das wäre der große Crash. Und daß er droht, steht außer Frage.(3)

Die irakische Euro-Ölbörse 

Eine Teheraner Ölbörse, an der das wichtige Wirtschaftsgut Öl in Euro statt in Dollar gehandelt wird, könnte der Auslöser für rasche Währungsumschichtungen in den Export-Überschuß-Gebieten sein, also vor allem in China und der EU. Der Dollar-Wert würde sinken, mit den beschriebenen Folgen. 

Ob die Ölbörse tatsächlich der Auslöser sein wird, ist fraglich. Zum einen hat der Beauftragte des iranischen Ölministers für die Errichtung der Teheraner Ölbörse,  Mohammad Javad Asemipur, laut Globe and Mail vom 14. März 2006 die Eröffnung nun erst für Mitte des Jahres 2006 angekündigt.  Zunächst sollen dort petrochemische Produkte gehandelt werden, und nach drei Jahren wahrscheinlich auch Rohöl. In welcher Währung gehandelt werde, würden die Marktteilnehmer entscheiden, nicht die iranische Regierung.(4) Zum anderen macht der Ölhandel zwar einen wichtigen, aber nur einen kleinen Teil der Weltwarenströme aus, wie die Financial Times zutreffend bemerkt.

Eine Kettenreaktion auf den Schwenk zum Euro im gesamten Weltölhandel ist dennoch denkbar, wie Cóilín Nunan im Jahre 2003 dargelegt hat. Auch verwies Nunan im November 2004 darauf, wann Großbritannien und die USA den Irak überfielen, nämlich als Saddam Hussein Verträge über Öl nur noch in Euro abzuschließen begann. Und als Venezuela Teile seines Öls als Barter-Geschäft (Ware gegen Ware) abzuwickeln anfing, um sich ebenfalls aus dem Dollar zurückzuziehen, entkam Hugo Chávez nur knapp einem Attentat. Der Europäischen Union, so Cóilín Nunan, käme eine Umstellung des Ölhandels auf Euro zupaß, zöge sie dann doch die gleichen Vorteile aus dem Welthandel wie jetzt die USA: Sie könnte Öl und andere Waren für das Geld einführen, das sie selbst macht, statt für Dollar zugunsten allein der USA. Die EU, meint Cóilín Nunan, befürchte zwar eine abrupte Verschiebung vom Dollar auf den Euro wegen der drohenden Weltwirtschaftskrise. Eine allmähliche Verschiebung geriete ihr aber zum  Vorteil. (5)

Sebastian Dullien hält in der Financial Times Deutschland entgegen, die chinesische Zentralbank sei in den letzten Jahren der wichtigste Käufer von US-Wertpapieren gewesen und habe dadurch den Dollar gestützt; US-Finanzminister John Snow fordere jedoch China andauernd dazu auf, diese Stützkäufe einzustellen. „Wenn Washington erreichen will, daß der Rest der Welt weiter Dollar kauft, warum sollte es dann Druck auf den besten Treasury-Kunden (den besten Anleihen-Käufer, T:I:S) ausüben, die Dollar-Käufe einzustellen?“ Mit Cóilín Nunan ist die Antwort so einfach wie plausibel: Die USA können einen Rückzug ausländischer Investoren auf Dauer nicht verhindern und plädieren für das kleinere Übel: den allmählichen Rückzug. Auch sie fürchten einen Crash bei plötzlichem Rückzug aus dem Dollar.

Krieg um die Leitwährungsfunktion? 

Ein Krieg gegen den Iran, so die Financial Times weiter, würde die US-Staatsausgaben in die Höhe treiben; ohne gleichzeitige Steuererhöhung würde sich das Handelsbilanzdefizit der USA sofort weiter erhöhen. Die USA hätten daher kein Interesse an einem Krieg aus diesem Grunde. Das stimmt – kurzfristig. Langfristig stimmt das Argument nur für den Fall einer Niederlage. Siegen die USA und können sich den iranischen Reichtum einverleiben, so, wie sie es jetzt im Irak versuchen, dann sind sie reicher und mächtiger, also kreditwürdiger, und können den bisherigen Kurs fortsetzen. Ein siegreicher Krieg über den Iran würde den USA tatsächlich für einige Zeit aus der Patsche helfen.

Die EU in der Dollar-Klemme 

Die Financial Times meint zudem, die EU hätte ein Interesse an einer kräftigen US-Nachfrage. Ohne starken Export wäre, wegen der geringen Binnennachfrage, die eigene Produktionskapazität nicht ausgelastet. Bei einer Dollar-Abwertung würde die Außen-Nachfrage wegbrechen und die Arbeitslosigkeit in der EU steigen. Auch dieses Argument stimmt - beim gegenwärtigen Sachstand. Wie ausgeführt, fehlt auch europäischen Kapitalisten und deren Regierungen das Interesse an einem Dollar-Crash. Bekäme jedoch die europäische Bevölkerung, vor allem die untere Einkommensschicht, mehr Geld, und würden die europäischen Regierungen die Steuermittel auf inländische Aufgaben lenken, weg von der Export- und Exportindustrieförderung, dann könnte die EU ohne größere Gefahr vom Handel in Dollar auf den Handel in Euro umsteigen und im gleichen Zuge den Exportüberschuß gegenüber den USA abbauen. 

Vereinfacht und ohne den Geldkreislauf betrachtet: Die Gütermasse der EU, die jetzt in die USA ausgeführt wird, ohne daß ihr eine entsprechende Einfuhr gegenüber steht, also der dauernd überschießende Teil des Außenhandels, bliebe in der EU und stünde hier zum Verbrauch zur Verfügung. Die Arbeiter und Angestellten würden die gleiche Gütermasse herstellen wie gegenwärtig, aber selber mehr davon haben (wenn ihnen Kapitalisten und Staat sie nicht auf andere Weise vorenthalten). Der europäische Außenhandelsüberschuß ist nichts anderes als die Gütermasse, die den europäischen Staaten und ihren Bewohnern zur eigenen Verwendung entzogen wird. 

Eine derartige – keynesianische – Politik müßte gegen das ausfuhrorientierte und ausfuhrabhängige Kapital durchgesetzt werden; und gegen das Kapital insgesamt, das die dafür erforderlichen Lohnerhöhungen und die dafür erforderliche Stärkung der staaatlichen Binnennachfrage wegen der zugleich drohenden Gewinneinbußen fürchtet. Doch Exportkapital und Gesamtkapital werden täglich stärker: Die europäischen Regierungen stecken in der Dollar-Klemme. Um den Crash zu vermeiden, der auch das heimische Kapital treffen würde, müssen sie den Dollar – gegen das langfristige Interesse des heimischen Kapitals – bis auf weiteres stützen.

Staatskapitalistische Lösung in China 

Auch chinesische Arbeiter produzieren viel mehr, als sie verzehren, nicht allein wegen des Unternehmergewinns, sondern vor allem wegen des chinesischen Außenhandelsüberschusses (von dem natürlich das exportorientierte chinesische Kapital immens profitiert). Chinesische Partei- und Staatsführung haben kürzlich wegen der Crash-Gefahr und der entstandenen systemgefährdenden Vermögens- und Einkommensunterschiede Kurs auf verstärkte inländische Verwendung der eigenen Fertigung genommen. Sie dürften damit ihre Export- und Dollar-Abhängigkeit mindern.(6)

Den EU-Ländern fehlt die zentrale Regulierungsinstanz, über die China verfügt. Eine Umsteuerung nach chinesischem Vorbild dürfte schwierig sein. Teile der EU-Herrschaftselite dürften begrüßen, daß der Iran Ölprodukte in Euro verrechnen will, statt in Dollar. Daß der andere Teil die Ölbörse für einen möglichen Crash-Auslöser hält, ist fraglich; und noch fraglicher, daß er aus diesem Grunde eine Beteiligung am  Krieg gegen den Iran wünscht und auch durchsetzt. 

Die US-Herrschaftselite zielt mit ihrer Kriegsdrohung gegen den Iran auf die Beherrschung allen Öls in der Welt. Die Teheraner Ölbörsen-Planung könnte ihr dabei in die Quere kommen. Doch zur Zeit ist sie kein herausragender Kriegsgrund. 

T:I:S, 21. März 2006

Anmerkungen:

(1) Terry Macalister: Iran takes on west's control of oil trading. Guardian,  Wednesday June 16, 2004
(2) Sebastian Dullien: Krieg um den Dollar. Internetforen zufolge werden die USA Iran angreifen, um den Dollar zu stützen - ein gefährlicher Mythos. Financial Times Deutschland, 17. März 2006, S. 32
(3) Für wie groß die Gefahr gehalten wird, belegt Sebastian Dullien (FTD) in einer Sündenbock-Volte: "Verschwörungstheorien" im Internet könnten auf die europäische Herrschaftselite übergreifen und das weltkapitalistische Krisen-Pulver zünden.  
(4)  John Partridge: Launch of Iranian oil trading hits wall. Globe and Mail.com March 14, 2006

(5) Cóilín Nunan: Petrodollar or Petroeuro? A new source of global conflict. In: Growth: The Celtic Cancer, the second Feasta Review, November 2004

(6)  Nationaler Volkskongreß billigt den 11. Fünfjahresplan.China.org.cn, 15. März 2006

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Zur iranischen Ölbörse siehe auch Reinhard Blomert: Iran, der Dollar und das Öl. Das auf die USA zugeschnittene System der Weltwährung gerät aus den Fugen. berlin online, 18. März 2006. T:I:S, 21. März 2006 

Von Sand im Getriebe, dem attac-Rundbrief, ist die Nummer 49 als .pdf-Datei erschienen, mit den Aufsätzen zur iranischen Ölbörse von Ron Paul, S. 19, und von Krasimir Pedrov, S. 23. T:I:S, 15. März 2006

1958:  „... das Vereinigte Königreich betont, seine finanzielle Stabilität wäre ernsthaft gefährdet, wenn das Petroleum aus Kuwait und dem Persischen Golf-Gebiet vom Vereinigten Königreich nicht zu vernünftigen Bedingungen erhältlich wäre, wenn das Vereinigte Königreich der umfangreichen Investitionen dieser Region im Vereinigten Königreich beraubt wäre und wenn das Pfund Sterling der Unterstützung durch das Öl vom Persischen Golf entbehren müßte.“ siehe Milan Rai in der Übersetzung von T:I:S, 13. März 2006

Jérôme Guillet, auf dessen Gazprom-Kenntnisse SteinbergRecherche seine Einschätzung der jüngsten ukrainisch-russischen Gaspreis-Kontroverse gestützt hat, hält die Etablierung einer iranischen Euro-Ölbörse (siehe Iran Daily - Domestic Economy - 030606  für unwahrscheinlich. Auch würde sie dem Dollar als Welt-Leitwährung nichts anhaben können. Eine andere Sache sei es, wenn mehrere große Hydrokarbon-Lieferanten ihre Währungsreserven von Dollar auf Euro umschichten würden. Guillet hält offenbar eine iranische Euro-Ölbörse nicht für den Funken, der einen derartigen Flächenbrand auslösen könnte und den deshalb die US-Regierung durch Krieg löschen wolle. T:I:S, 13. März 2006   

Ron Paul aus Texas, republikanisches Mitglied im Repräsentantenhaus, teilt die Meinung, daß die vom Iran angekündigte Euro-Ölbörse ein Grund für die US-Kriegsdrohungen gegen den Iran ist, wenn auch nicht der einzige. T:I:S, 11. März 2006 (Dank für den Hinweis an Wolf Thom)

Ist Bush der Dollar wurscht? "Um zu glauben, die US-Regierung plane einen Angriff auf den Iran in Abwehr der Bedrohung des Dollar durch eine iranische Ölbörse auf Euro-Basis, muß man zunächst glauben, daß die Bush-Regierung sich um solche Sachen kümmert – und dafür spricht wenig." (Gwynne Dyer, Iran, Oil and Euros: The War Scenario). T:I:S, 10. März 2006

Auf neuerem Stand: Petrodollar Warfare. Dollars, Euros and the Upcoming Iranian Oil Bourse by William R. Clark, T:I:S, 5. August 2005 - Gegenposition und Debatte hier. T:I:S, 13. März 2006

Als Einführung eignet sich der kleine Vortrag zum Thema  Reservewährung . T:I:S, 3. August 2003

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Cóilín Nunan

Das Öl, die Währung und der Krieg gegen den Irak  

Oil, Currency and the War on Iraq.  FEASTA - The Foundation for the Economics of Sustainability. Dublin  2003 http://www.feasta.org/documents/papers/oil1.htm

Übersetzung von Thomas Immanuel Steinberg  

Jeder weiß, daß die USA ökonomisch und militärisch die Welt beherrschen. Aber die genauen Mechanismen, die zur amerikanische Hegemonie geführt haben und sie nun absichern, sind möglicherweise weniger gut durchschaut worden, als sie es sein sollten. Ein Werkzeug mit großer Wirkung war der Dollar. Doch seine Wirksamkeit ist bedroht, seit Europa kürzlich den Euro eingeführt hat.  

Der Dollar ist faktisch die Welt-Reservewährung: Etwa zwei Drittel aller offiziellen Währungsreserven werden in Dollar gehalten. Mehr als vier Fünftel aller Außenwirtschaftstransaktionen und die Hälfte der Weltausfuhr werden in Dollar abgewickelt. Außerdem werden alle Kredite des Weltwährungsfonds in Dollar gewährt. Doch je mehr Dollar außerhalb der USA zirkulieren oder von außländischen Eignern in den USA angelegt werden, umso mehr auch muß der Rest der Welt die USA im Austausch für diese Dollar  mit Gütern und Dienstleistungen beliefern. Die Herstellung von Dollar kostet die USA nahezu nichts. Die Tatsache, daß die Welt den Dollar auf diese Weise gebraucht, heißt also, daß die USA große Mengen an Gütern und Dienstleistungen praktisch umsonst importieren.  

Da eine so große Menge Dollar im ausländischen Besitz nicht für amerikanische Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden, sind die USA offenbar in der Lage, Jahr für Jahr ohne größere wirtschaftliche Folgen ein riesiges Außenhandelsdefizit anzuhäufen. Die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Beispiel zeigen, daß im November letzten Jahres (2002, d. Ü.) die US-Einfuhr  48 Prozent mehr wert war als die Ausfuhr.[1] Kein anderes Land kann sich ungestraft ein so großes Außenhandelsdefizit leisten. Die Finanz-Medien erklären uns, daß die USA als „consumer of last resort“ („der Verbraucher-Wenn-alle-Stricke-reißen“) fungieren. Uns wird damit nahe gelegt, daß wir den USA dankbar sein sollten. Aber mehr einleuchten würde eine Beschreibung  des Sachverhalts als gewaltiges zinsloses Darlehen, das die übrige Welt den USA gewährt.  

Die Position der USA scheint unangreifbar, aber bedenken wir: Je mehr einer hat,  desto mehr hat er zu verlieren. Und kürzlich gab es Anzeichen dafür, wie zum ersten Mal seit langem die USA anfangen könnten zu verlieren.  

Eines der anerkannten Wirtschaftsziele, und vielleicht das vorrangige bei seiner Einführung war, den Euro zu einer Reservewährung zu machen, die dem Dollar gegenüberträte, sodaß auch Europa für nichts etwas bekommen würde.  

Aber das eben wäre ein Desaster für die USA.  Nicht nur würden die USA einen Großteil ihrer jährlichen Subventionen, bestehend aus praktisch kostenlosen Gütern und Dienstleistungen, verlieren, sondern außerdem würden auch die Länder, die vom Dollar zum Euro als Reservewährung übergehen, den Wert der US-Währung beeinträchtigen. Einfuhren würden nach und nach die Amerikaner eine Menge mehr kosten, und da eine wachsende Zahl derer, die Dollar haben, sie nach und nach ausgeben, müßten die USA anfangen, ihre Schulden zurückzuzahlen, indem sie Güter und Dienstleistungen ins Ausland liefern. Damit aber würden sie den amerikanischen Lebensstandard senken. Wenn Länder und Unternehmen ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandeln, dann wird ohne Zweifel die US-Immobilien- und Wertpapier-Blase platzen. Die Federal Reserve Bank wäre nicht mehr im Stande, mehr Scheine zu drucken, um die Blase wieder aufzupusten, wie sie es zur Zeit offen erwägt. Denn ohne eine Menge Ausländer, die scharf darauf sind, die Dollarscheine weg zu putzen, käme es zu einer ersthaften Inflation, die ihrerseits die Ausländer noch stärker davor zurückschrecken lassen würde, die US-Währung zu behalten, und so würde sich die Krise weiter vertiefen.  

Aber auf diesem Weg liegt ein größeres Hindernis: Öl. Öl ist nicht  nur bei weitem das wichtigste internationale Handelsgut, es ist der Lebenssaft aller modernen industrialisierten Volkswirtschaften. Hast du kein Öl, mußt du es kaufen. Und wenn du Öl auf den internationalen Märkten kaufen willst, mußt du normalerweise Dollar haben. Bis vor kurzem waren alle OPEC-Länder sich darüber einig, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen. Solange wie das der Fall war, war es unwahrscheinlich, daß der Euro Hauptreservewährung werden könnte: Es hat nicht viel Sinn, Euros vorzuhalten, wenn sie in Dollar gewechselt werden müssen, sobald Öl gekauft werden muß. Diese Regelung hieß auch, daß die USA tatsächlich den gesamten Welt-Ölmarkt teil-beherrschten: Öl konnte nur kaufen, wer Dollar hatte, und nur ein Land hatte das Recht Dollar zu drucken - die USA.  

Wenn andererseits die OPEC entscheiden würde, nur Euro für ihr Öl zu akzeptieren (unterstellt, ihr würde erlaubt, so zu entscheiden), dann wäre es vorbei mit der amerikanischen Wirtschaftsdominanz. Nicht nur würde Europa nicht mehr so viele Dollar benötigen, sondern auch Japan, das 80 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten bezieht, würde es für vernünftig ansehen, einen Großteil seiner Dollar-Guthaben in Euro-Guthaben umzuwandeln. (Japan subventioniert die USA am meisten, weil es so viele Dollar-Investitionen getätigt hat.) Die USA andererseits, als weltgrößte Ölimporteure, würden einen Außenhandelsüberschuß erzielen müssen, um Euros zu erlangen. Der Wechsel von einem Handelsbilanzdefizit zu einem Handelsbilanzüberschuß müßte in einem Augenblick vollzogen werden, in dem ihre Immobilien- und Börsenpreise zusammenbrechen und das inländische Angebot an Öl und Gas dahin schwindet. Es wäre eine sehr schmerzliche Umstellung.  

Die rein wirtschaftlichen Argumente dafür, daß  die OPEC zumindest für eine Weile auf den Euro umzusteigt, scheinen sehr überzeugend. Die Euro-Zone häuft weder ein riesiges Außenhandelsdefizit auf, noch ist sie beim Rest der Welt schwer verschuldet, wie die USA, und die Zinsen liegen in der Euro-Zone merklich höher. Die Euro-Zone hat einen höheren Anteil am Welthandel als die USA und ist der Haupthandelspartner des Nahen Ostens. Und nahezu alles, was man für Dollar kaufen kann, kann man auch für Euro kaufen - außer natürlich Öl. Zudem, wenn die OPEC ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandelt und dann die Bezahlung des Öls in Euro verlangt, so würden ihre Anlagen sofort im Wert steigen, weil öleinführende Länder ebenfalls gezwungen wären, Teile ihrer Guthaben zu konvertieren, was die Preise hochtreiben würde. Für die OPEC wäre die Stärkung des Euro eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Die OPEC könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einer anderen Währung übergehen, vielleicht zurück zum Dollar, und wieder riesige Gewinne machen.  

Aber natürlich ist das keine rein wirtschaftliche Entscheidung.  

Bisher hat es erst ein OPEC-Land gewagt, zum Euro überzugehen: Irak im November 2000[2],[3]. Es besteht wenig Zweifel daran, daß es sich hierbei um einen bewußten Versuch Saddams gehandelt hat, gegen die USA zurückzuschlagen. Wirtschaftlich hat es sich als ein gewaltiger Erfolg herausgestellt: Zum Zeitpunkt der irakischen Umstellung war der Euro 83 US-Cent wert. Jetzt liegt er über 1,05 Dollar  (Anm. d. Übers.: Mitte März  2003 über 1,10 Dollar). Aber diese Entscheidung könnte auch andere Folgen haben.  

Ein anderes OPEC-Land hat seit 1999 öffentlich über einen möglichen Wechsel zum Euro gesprochen: Iran[4], ein Land, das seitdem zu George W. Bushs „Achse des Bösen“ gehört.  

Ein drittes OPEC-Land, daß sich kürzlich mit der US-Regierung entzweit hat, ist Venezuela, und auch dieses Land hat sich illoyal zum Dollar verhalten. Unter Hugo Chavez’ Regierung hat Venezuela Barter-Geschäfte (Anm. d. Übers.: Ware gegen Ware) mit zwölf lateinamerikanischen Ländern und mit Kuba vereinbart. Das heißt, den USA entgeht ihre übliche Subvention, und das mag erklären, warum die Amerikaner Chávez gehen sehen wollen. Auf dem OPEC-Gipfel im September 2000 trug Chávez den OPEC-Regierungschefs den Bericht über das „Iinternational Seminar on the Future of Energy“ vor, einer Konferenz, die Chávez im gleichen Jahr über das zukünftige Angebot an fossiler und erneuerbaren Energie einberufen hatte. Eine der beiden zentralen Empfehlungen war, daß die „OPEC  sich den hochtechnisierten elektronischen Barter- und Bilateral-Austausch ihres Öls mit ihren Entwicklungsländer-Kunden zu Nutze machen solle“[5], das heißt, die OPEC solle sowohl den Dollar als auch den Euro bei vielen Geschäften meiden.  

Und letzten April hielt ein führender OPEC-Repräsentant in Spanien während der spanischen EU-Präsidentschaft einen Vortrag, in dem er verdeutlichte, daß die OPEC zwar noch nicht plane, Öl für Euros anzubieten, aber daß es eine Möglichkeit sei, die in Betracht gezogen würde und die durchaus von wirtschaftlichem Vorteil für viele OPEC-Länder sein könnte, vor allem die im Nahen Osten.[6]  

Die Ölproduktion in den meisten ölproduzierenden Ländern sinkt. In den kommenden Jahren wird daher die Bedeutung der großen Ölproduzenten, besonders derer im Nahen Osten steigen und steigen.[7]  

Der Irak, dessen Ölproduktion durch die Sanktionen stark beschnitten worden ist, ist eines der wenigen Länder, die den drohenden Mangel an Öl lindern helfen können. Europa, ebenso wie der Rest der Welt, wünscht sich eine friedliche Lösung der Spannungen zwischen den USA und dem Irak und eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen. Das würde seinen Interessen sicher am meisten dienen. Doch da irkisches Öl in Euro gehandelt wird, könnte seine größere Verfügbarkeit den Würgegriff des Dollar lockern und  möglicherweise der US-amerikanischen wirtschaftlichen Gesundheit mehr schaden als nützen.  

All das sind schlechte Nachrichten für die US-Wirtschaft und den Dollar. Washington muß befürchten, daß künftig nicht nur der Ölpreis nicht in Ordnung ist, sondern auch das Zahlungsmittel nicht. Was vielleicht erklären hilft, warum die USA sich verstärkt ihrem zweiten großen Werkzeug zur Beherrschung der Weltgeschäfte zuwenden: der militärischen Gewalt.[8]

T:I:S, im März 2003

[1] Anon., ‘Trade Deficit Surges to a Record High’, Reuters, (January 17, 2003), http://www.centredaily.com/mld/centredaily/news/4970891.htm

[2] Recknagel, Charles, ‘Iraq: Baghdad Moves to Euro’, Radio Free Europe (November 1, 2000), http://www.rferl.org/nca/features/2000/11/01112000160846.asp

[3] Anon., ‘A Look At The World's Economy’, CBS Worldwide Inc., (December 22, 2000), http://www.cbsnews.com/stories/2000/12/22/2000/main259203.shtml

[4] Anon., ‘Iran may switch to euro for crude sale payments’, Alexander Oil and Gas, (September 5, 2002), http://www.gasandoil.com/goc/news/ntm23638.htm

[5] Hazel Henderson, ‘Globocop v. Venezuela’s Chavez: Oil, Globalization and Competing Visions of Development’, InterPress Service, (April 2002), http://www.hazelhenderson.com/Globocop%20v.%20Chavez.htm

[6] Javad Yarjani, ‘The Choice of Currency for the Denomination of the Oil Bill’, (April 14, 2002), http://www.opec.org/NewsInfo/Speeches/sp2002/spAraqueSpainApr14.htm

[7] The Association for the Study of Peak Oil, Newsletter 26, (February 2003), http://www.asponews.org

[8] Weiterführende Lektüre: William Clark, ‘The Real Reasons for the Upcoming War With Iraq: A Macroeconomic and Geostrategic Analysis of the Unspoken Truth’, (January 2003), http://www.ratical.org/ratville/CAH/RRiraqWar.html

Siehe auch den einführenden Vortrag zum Thema "Reservewährung" von Thomas Immanuel Steinberg

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