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Jenseits des Dollar?Rainer Rupp, 4. November 2008 *Das Imperium wird zurückschlagenPepe Escobar über die Kish-Börse, die iranische Ölbörse, die zunächst in heimischer Währung, später in Rubel verrechnen will. T:I:S, 21. Februar 2008. Dank an Ruedi *Es bedarf nur eines kleinen Anstoßes:Saudi-Arabien fakturiert in Euro, statt in Dollar - und die US-Wirtschaft bricht zusammen. Chalmers Johnson, Kurzvideo bei antiwar.com; unten auf der Seite Audio, 30 Minuten; Aufsatz bei tomdispatch. Siehe auch die Rezension des Buches von Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf. Vom März 2003 (!). Grund des Zusammenbruchs des Imperiums: die Rüstung. Der Strudel dürfte als erstes das reine Rüstungsland Israel mitreißen. T:I:S, 3. Februar 2008 *Death of the DollarVideo von Aljazeera bei Information Clearing House Recht verständliche Darlegung der Gründe für den Dollarverfall von Paul Craig Roberts. Der zweite Teil endet stimmungvoll auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Spazieren Sie dort, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, unter dem Buchstaben P zum Grab von Marcel Proust, und schließlich zu Cóilín Nunan, der das alles schon 2003 erklärt hat. Die Zerstörung des Irak, die Kriegsdrohung gegen den Iran und die Hetze gegen Venezuala haben nichts mit angeblichen Massenvernichtungswaffen, Humanität oder Judäophobie zu tun, sondern ausschließlich mit Herrschaft – also mit Ihrer Unterdrückung. Als Abrundung eignet sich Milan Rai. T:I:S, 25. Dezember 2007. Dank an Ruedi, ein Schweizer, wie der Name sagt. *Iran: Der Dollar ist nackt! Saudi-Arabien: Pst, nicht weitersagen! Agence France-Presse, T:I:S, 19. November 2007. Dank an Martin Zeis *Die US-Streitkräfte am Persischen Golf tragen auch zur Sicherung der eigenen Währung bei. Ohne den erwünschten Schutz der USA hätte manch ein Golfland seine Dollarbestände bereits stärker abgebaut. Auf lange Sicht ist eine breitere Währungsstreuung der globalen Devisenreserven aber unvermeidlich. Handelsblatt, 19. Oktober 2007 *Dollar-Crash-Gefahr. Die Asiatische Entwicklungsbank - Asian Development Bank - schlägt Alarm. International Herald Tribune, 28. März 2006 *Tomdispatch: Also können Sie sich vorstellen, daß die chinesische,
die japanische und die europäische Wirtschaft ohne uns laufen - und nicht mit
uns abstürzen. Interview Teil 2; Teil 1. T:I:S, 24. März 2006 *Iranische Ölbörse. Replik von Winfried Wolf (.rtf-Datei) auf die Kritik von Ralph KutzaT:I:S, 24. März 2006 *Ralph Kutza: Eine Replik auf den Beitrag “Iran-Krieg wegen Dollar?” in der jungen Welt vom 22.03.06 von Winfried Wolf. Winfried Wolfs Beitrag und Ralph Kutzas Replik, jetzt auch im Saar-Echo T:I:S, 23. und 26. März 2006 *Siehe auch: Rainer Sommer: Iranische Öl-Börse. Unfug oder Bedrohung für die Dollar-Hegemonie? Telepolis, 16.03.2006 T:I:S, 22. März 2006 *Thomas Immanuel SteinbergIn der Dollar-Klemme
Die iranische Ölbörse – Gefahr oder
Panikmache?
Öl wird in US-Dollar gehandelt, ebenso wie ein Großteil
der übrigen Welthandelsgüter. Doch im Juni 2004 verkündete der Iran, er plane
eine Ölbörse auf Euro-Basis.(1) Nach älteren Pressemeldungen sollte sie am
vergangenen 20. März 2006 ihre Tore öffnen, doch der Termin wurde verschoben. Könnte die Teheraner Börse späterhin einen Dollar-Crash oder gar
eine Weltwirtschaftskrise auslösen? Droht deshalb der Westen dem Iran mit
Krieg? Im Netz kursieren solche Behauptungen. Die Financial Times Deutschland
hat versucht, sie zurückzuweisen, mit guten und mit schlechten Argumenten.(2) Die Lage der Weltwirtschaft Unstrittig ist die weltwirtschaftliche Lage: Die USA führen 50% mehr Waren ein als aus. Die EU, China und ein paar andere Länder führen in die USA mehr aus, als sie von dort einführen. Das – übrigens ständig wachsende – Außenhandelsdefizit der USA bedeutet: Europäer und Chinesen stellen mehr Güter her, als sie verbrauchen, und US-Amerikaner verbrauchen mehr Güter, als sie herstellen. Das ständige und ständig wachsende Außenhandelsdefizit ist ein ständiges zinsloses Darlehen Europas und Chinas an die USA. Die Gläubigerländer gewähren den USA deshalb den Dauer-Kredit, weil zum einen ihre exportorientierten Industriellen davon profitieren; zum andern bildet er eine Kompensation für US-amerikanische Kriegs-Aufwendungen im weltkapitalistischen Interesse. Die Hersteller der Waren, die arbeitenden Chinesen und Europäerinnen, haben das Nachsehen; die US-amerikanischen Verbraucher haben insoweit einen Vorteil, als ihnen die herrschende Klasse von teilweise kreditierten Waren zu leben gestattet, von Gütern also, die sie nicht hergestellt haben. Die Crash-Gefahr Freilich bezahlen die US-amerikanischen Importeure die Ware, und zwar in Dollar. Die ausländischen Exporteure kaufen vom Dollar-Erlös Anlagen in den USA: Immobilien, Fabriken und Besitztitel über Immobilien und Fabriken, also Anleihen und Aktien. Solange der Dollar seinen Wert behält oder sogar steigt, vermehren sie ihr Vermögen. Sinkt er, werden sie ihr Vermögen zu sichern versuchen, die Werte verkaufen, die erlösten Dollar zum Beispiel in Euro umtauschen und Werte in Euro-Land kaufen. Dadurch würde der Dollar, weil stärker angeboten und weniger nachgefragt, im Wert sinken. US-amerikanische Importeure könnten wegen des niedrigen Dollar-Werts nicht mehr soviel einkaufen. In die USA importierte Ware würde dort teurer werden, und die US-Verbraucher könnten nicht mehr soviel davon erwerben. Entsprechend könnten europäische und chinesische Exporteure nicht mehr soviel an die USA verkaufen. Fehlt es gleichzeitig in Europa an Binnennachfrage, sprich: fehlt den Leuten und dem Staat das Geld zum Ausgeben im Lande, wie zur Zeit der Fall, müßten hier Fabriken schließen, noch weniger Leute hätten Geld zum Einkaufen, und die Steuereinnahmen würden sinken. Das wäre der große Crash. Und daß er droht, steht außer Frage.(3) Die irakische Euro-Ölbörse Eine Teheraner Ölbörse, an der das wichtige Wirtschaftsgut Öl in Euro statt in Dollar gehandelt wird, könnte der Auslöser für rasche Währungsumschichtungen in den Export-Überschuß-Gebieten sein, also vor allem in China und der EU. Der Dollar-Wert würde sinken, mit den beschriebenen Folgen. Ob die Ölbörse tatsächlich der Auslöser sein wird, ist fraglich. Zum einen hat der Beauftragte des iranischen Ölministers für die Errichtung der Teheraner Ölbörse, Mohammad Javad Asemipur, laut Globe and Mail vom 14. März 2006 die Eröffnung nun erst für Mitte des Jahres 2006 angekündigt. Zunächst sollen dort petrochemische Produkte gehandelt werden, und nach drei Jahren wahrscheinlich auch Rohöl. In welcher Währung gehandelt werde, würden die Marktteilnehmer entscheiden, nicht die iranische Regierung.(4) Zum anderen macht der Ölhandel zwar einen wichtigen, aber nur einen kleinen Teil der Weltwarenströme aus, wie die Financial Times zutreffend bemerkt. Eine Kettenreaktion auf den Schwenk zum Euro im gesamten
Weltölhandel ist dennoch denkbar, wie Cóilín Nunan im Jahre 2003
dargelegt hat. Auch verwies Nunan im November 2004 darauf, wann Großbritannien und
die USA den Irak überfielen, nämlich als
Saddam Hussein Verträge über Öl nur noch in Euro abzuschließen begann. Und als
Venezuela Teile seines Öls als Barter-Geschäft (Ware gegen Ware) abzuwickeln
anfing, um sich ebenfalls aus dem Dollar zurückzuziehen, entkam Hugo Chávez
nur knapp einem Attentat. Der Europäischen Union, so Cóilín Nunan, käme eine Umstellung des
Ölhandels auf Euro zupaß, zöge sie dann doch die gleichen Vorteile aus dem
Welthandel wie jetzt die USA: Sie könnte Öl und andere Waren für das Geld
einführen, das sie selbst macht, statt für Dollar zugunsten allein der USA.
Die EU, meint Cóilín Nunan, befürchte zwar eine abrupte Verschiebung vom
Dollar auf den Euro wegen der drohenden Weltwirtschaftskrise. Eine allmähliche
Verschiebung geriete ihr aber zum Vorteil. Sebastian Dullien hält in der Financial Times Deutschland entgegen, die chinesische Zentralbank sei in den letzten Jahren der wichtigste Käufer von US-Wertpapieren gewesen und habe dadurch den Dollar gestützt; US-Finanzminister John Snow fordere jedoch China andauernd dazu auf, diese Stützkäufe einzustellen. „Wenn Washington erreichen will, daß der Rest der Welt weiter Dollar kauft, warum sollte es dann Druck auf den besten Treasury-Kunden (den besten Anleihen-Käufer, T:I:S) ausüben, die Dollar-Käufe einzustellen?“ Mit Cóilín Nunan ist die Antwort so einfach wie plausibel: Die USA können einen Rückzug ausländischer Investoren auf Dauer nicht verhindern und plädieren für das kleinere Übel: den allmählichen Rückzug. Auch sie fürchten einen Crash bei plötzlichem Rückzug aus dem Dollar. Krieg um die Leitwährungsfunktion? Ein Krieg gegen den Iran, so die Financial Times weiter, würde die US-Staatsausgaben in die Höhe treiben; ohne gleichzeitige Steuererhöhung würde sich das Handelsbilanzdefizit der USA sofort weiter erhöhen. Die USA hätten daher kein Interesse an einem Krieg aus diesem Grunde. Das stimmt – kurzfristig. Langfristig stimmt das Argument nur für den Fall einer Niederlage. Siegen die USA und können sich den iranischen Reichtum einverleiben, so, wie sie es jetzt im Irak versuchen, dann sind sie reicher und mächtiger, also kreditwürdiger, und können den bisherigen Kurs fortsetzen. Ein siegreicher Krieg über den Iran würde den USA tatsächlich für einige Zeit aus der Patsche helfen. Die EU in der Dollar-Klemme Die Financial Times meint zudem, die EU hätte ein
Interesse an einer kräftigen US-Nachfrage. Ohne starken Export wäre, wegen der
geringen Binnennachfrage, die eigene Produktionskapazität nicht ausgelastet.
Bei einer Dollar-Abwertung würde die Außen-Nachfrage wegbrechen und die
Arbeitslosigkeit in der EU steigen. Auch dieses Argument stimmt - beim gegenwärtigen
Sachstand. Wie ausgeführt, fehlt auch europäischen Kapitalisten und deren
Regierungen das Interesse an einem Dollar-Crash. Bekäme jedoch die europäische
Bevölkerung, vor allem die untere Einkommensschicht, mehr Geld, und würden die
europäischen Regierungen die Steuermittel auf inländische Aufgaben lenken, weg
von der Export- und Exportindustrieförderung, dann könnte die EU ohne größere
Gefahr vom Handel in Dollar auf den Handel in Euro umsteigen und im gleichen
Zuge den Exportüberschuß gegenüber den USA abbauen. Vereinfacht und ohne den Geldkreislauf betrachtet: Die Gütermasse
der EU, die jetzt in die USA ausgeführt wird, ohne daß ihr eine entsprechende
Einfuhr gegenüber steht, also der dauernd überschießende Teil des Außenhandels,
bliebe in der EU und stünde hier zum Verbrauch zur Verfügung. Die Arbeiter und
Angestellten würden die gleiche Gütermasse herstellen wie gegenwärtig, aber
selber mehr davon haben (wenn ihnen Kapitalisten und Staat sie nicht auf andere
Weise vorenthalten). Der europäische Außenhandelsüberschuß ist nichts
anderes als die Gütermasse, die den europäischen Staaten und ihren Bewohnern
zur eigenen Verwendung entzogen wird. Eine derartige – keynesianische – Politik müßte gegen das ausfuhrorientierte und ausfuhrabhängige Kapital durchgesetzt werden; und gegen das Kapital insgesamt, das die dafür erforderlichen Lohnerhöhungen und die dafür erforderliche Stärkung der staaatlichen Binnennachfrage wegen der zugleich drohenden Gewinneinbußen fürchtet. Doch Exportkapital und Gesamtkapital werden täglich stärker: Die europäischen Regierungen stecken in der Dollar-Klemme. Um den Crash zu vermeiden, der auch das heimische Kapital treffen würde, müssen sie den Dollar – gegen das langfristige Interesse des heimischen Kapitals – bis auf weiteres stützen. Staatskapitalistische Lösung in China Auch chinesische Arbeiter produzieren viel mehr, als sie
verzehren, nicht allein wegen des Unternehmergewinns, sondern vor allem wegen des
chinesischen Außenhandelsüberschusses (von dem natürlich das
exportorientierte chinesische Kapital immens profitiert). Chinesische Partei- und Staatsführung
haben kürzlich wegen der Crash-Gefahr und der entstandenen systemgefährdenden
Vermögens- und Einkommensunterschiede Kurs auf verstärkte inländische Verwendung der eigenen
Fertigung genommen. Sie dürften damit ihre Export- und Dollar-Abhängigkeit
mindern. Den EU-Ländern fehlt die zentrale Regulierungsinstanz, über
die China verfügt. Eine Umsteuerung nach chinesischem Vorbild dürfte schwierig
sein. Teile der EU-Herrschaftselite dürften begrüßen, daß der Iran Ölprodukte
in Euro verrechnen will, statt in Dollar. Daß der andere Teil die Ölbörse für
einen möglichen Crash-Auslöser hält, ist fraglich; und noch fraglicher, daß
er aus diesem Grunde eine Beteiligung am Krieg
gegen den Iran wünscht und auch durchsetzt. Die US-Herrschaftselite zielt mit ihrer Kriegsdrohung gegen den Iran auf die Beherrschung allen Öls in der Welt. Die Teheraner Ölbörsen-Planung könnte ihr dabei in die Quere kommen. Doch zur Zeit ist sie kein herausragender Kriegsgrund. T:I:S, 21. März 2006 Anmerkungen: (1) Terry
Macalister: Iran takes on west's control of oil trading. Guardian,
Wednesday June 16, 2004 *Zur iranischen Ölbörse siehe auch Reinhard Blomert: Iran, der Dollar und das Öl. Das auf die USA zugeschnittene System der Weltwährung gerät aus den Fugen. berlin online, 18. März 2006. T:I:S, 21. März 2006 Von Sand im Getriebe, dem attac-Rundbrief, ist die Nummer 49 als .pdf-Datei erschienen, mit den Aufsätzen zur iranischen Ölbörse von Ron Paul, S. 19, und von Krasimir Pedrov, S. 23. T:I:S, 15. März 2006 1958: „... das Vereinigte Königreich betont, seine finanzielle Stabilität wäre ernsthaft gefährdet, wenn das Petroleum aus Kuwait und dem Persischen Golf-Gebiet vom Vereinigten Königreich nicht zu vernünftigen Bedingungen erhältlich wäre, wenn das Vereinigte Königreich der umfangreichen Investitionen dieser Region im Vereinigten Königreich beraubt wäre und wenn das Pfund Sterling der Unterstützung durch das Öl vom Persischen Golf entbehren müßte.“ siehe Milan Rai in der Übersetzung von T:I:S, 13. März 2006 Jérôme Guillet, auf dessen Gazprom-Kenntnisse SteinbergRecherche seine Einschätzung der jüngsten ukrainisch-russischen Gaspreis-Kontroverse gestützt hat, hält die Etablierung einer iranischen Euro-Ölbörse (siehe Iran Daily - Domestic Economy - 030606 für unwahrscheinlich. Auch würde sie dem Dollar als Welt-Leitwährung nichts anhaben können. Eine andere Sache sei es, wenn mehrere große Hydrokarbon-Lieferanten ihre Währungsreserven von Dollar auf Euro umschichten würden. Guillet hält offenbar eine iranische Euro-Ölbörse nicht für den Funken, der einen derartigen Flächenbrand auslösen könnte und den deshalb die US-Regierung durch Krieg löschen wolle. T:I:S, 13. März 2006 Ron Paul aus Texas, republikanisches Mitglied im Repräsentantenhaus, teilt die Meinung, daß die vom Iran angekündigte Euro-Ölbörse ein Grund für die US-Kriegsdrohungen gegen den Iran ist, wenn auch nicht der einzige. T:I:S, 11. März 2006 (Dank für den Hinweis an Wolf Thom) Ist Bush der Dollar wurscht? "Um zu glauben, die US-Regierung plane einen Angriff auf den Iran in Abwehr der Bedrohung des Dollar durch eine iranische Ölbörse auf Euro-Basis, muß man zunächst glauben, daß die Bush-Regierung sich um solche Sachen kümmert – und dafür spricht wenig." (Gwynne Dyer, Iran, Oil and Euros: The War Scenario). T:I:S, 10. März 2006 Auf neuerem Stand: Petrodollar Warfare. Dollars, Euros and the Upcoming Iranian Oil Bourse by William R. Clark, T:I:S, 5. August 2005 - Gegenposition und Debatte hier. T:I:S, 13. März 2006 Als Einführung eignet sich der kleine Vortrag zum Thema Reservewährung . T:I:S, 3. August 2003 *Cóilín NunanDas Öl, die Währung
und der Krieg gegen den Irak
Oil,
Currency and the War on Iraq. FEASTA
- The Foundation for the Economics of Sustainability. Dublin 2003
http://www.feasta.org/documents/papers/oil1.htm
Übersetzung von
Thomas Immanuel Steinberg Jeder weiß, daß die USA ökonomisch und militärisch die
Welt beherrschen. Aber die genauen Mechanismen, die zur amerikanische Hegemonie
geführt haben und sie nun absichern, sind möglicherweise weniger gut
durchschaut worden, als sie es sein sollten. Ein Werkzeug mit großer Wirkung
war der Dollar. Doch seine Wirksamkeit ist bedroht, seit Europa kürzlich den
Euro eingeführt hat. Der Dollar ist faktisch die Welt-Reservewährung: Etwa zwei
Drittel aller offiziellen Währungsreserven werden in Dollar gehalten. Mehr als
vier Fünftel aller Außenwirtschaftstransaktionen und die Hälfte der
Weltausfuhr werden in Dollar abgewickelt. Außerdem werden alle Kredite des
Weltwährungsfonds in Dollar gewährt. Doch je mehr Dollar außerhalb der USA
zirkulieren oder von außländischen Eignern in den USA angelegt werden, umso
mehr auch muß der Rest der Welt die USA im Austausch für diese Dollar
mit Gütern und Dienstleistungen beliefern. Die Herstellung von Dollar
kostet die USA nahezu nichts. Die Tatsache, daß die Welt den Dollar auf diese
Weise gebraucht, heißt also, daß die USA große Mengen an Gütern und
Dienstleistungen praktisch umsonst importieren. Da eine so große Menge Dollar im ausländischen Besitz
nicht für amerikanische Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden, sind die
USA offenbar in der Lage, Jahr für Jahr ohne größere wirtschaftliche Folgen
ein riesiges Außenhandelsdefizit anzuhäufen. Die jüngst veröffentlichten
Zahlen zum Beispiel zeigen, daß im November letzten Jahres (2002, d. Ü.) die
US-Einfuhr 48 Prozent mehr wert war
als die Ausfuhr.[1]
Kein anderes Land kann sich ungestraft ein so großes Außenhandelsdefizit
leisten. Die Finanz-Medien erklären uns, daß die USA als „consumer of last
resort“ („der Verbraucher-Wenn-alle-Stricke-reißen“) fungieren. Uns wird
damit nahe gelegt, daß wir den USA dankbar sein sollten. Aber mehr einleuchten
würde eine Beschreibung des
Sachverhalts als gewaltiges zinsloses Darlehen, das die übrige Welt den USA gewährt. Die Position der USA scheint unangreifbar, aber bedenken
wir: Je mehr einer hat, desto mehr
hat er zu verlieren. Und kürzlich gab es Anzeichen dafür, wie zum ersten Mal
seit langem die USA anfangen könnten zu verlieren. Eines der anerkannten Wirtschaftsziele, und vielleicht das
vorrangige bei seiner Einführung war, den Euro zu einer Reservewährung zu
machen, die dem Dollar gegenüberträte, sodaß auch Europa für nichts etwas
bekommen würde. Aber das eben wäre ein Desaster für die USA. Nicht
nur würden die USA einen Großteil ihrer jährlichen Subventionen, bestehend
aus praktisch kostenlosen Gütern und Dienstleistungen, verlieren, sondern außerdem
würden auch die Länder, die vom Dollar zum Euro als Reservewährung übergehen,
den Wert der US-Währung beeinträchtigen. Einfuhren würden nach und nach die
Amerikaner eine Menge mehr kosten, und da eine wachsende Zahl derer, die Dollar
haben, sie nach und nach ausgeben, müßten die USA anfangen, ihre Schulden zurückzuzahlen,
indem sie Güter und Dienstleistungen ins Ausland liefern. Damit aber würden
sie den amerikanischen Lebensstandard senken. Wenn Länder und Unternehmen ihre
Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandeln, dann wird ohne Zweifel die
US-Immobilien- und Wertpapier-Blase platzen. Die Federal Reserve Bank wäre
nicht mehr im Stande, mehr Scheine zu drucken, um die Blase wieder aufzupusten,
wie sie es zur Zeit offen erwägt. Denn ohne eine Menge Ausländer, die scharf
darauf sind, die Dollarscheine weg zu putzen, käme es zu einer ersthaften
Inflation, die ihrerseits die Ausländer noch stärker davor zurückschrecken
lassen würde, die US-Währung zu behalten, und so würde sich die Krise weiter
vertiefen. Aber auf diesem Weg liegt ein größeres Hindernis: Öl. Öl
ist nicht nur bei weitem das
wichtigste internationale Handelsgut, es ist der Lebenssaft aller modernen
industrialisierten Volkswirtschaften. Hast du kein Öl, mußt du es kaufen. Und
wenn du Öl auf den internationalen Märkten kaufen willst, mußt du
normalerweise Dollar haben. Bis vor kurzem waren alle OPEC-Länder sich darüber
einig, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen. Solange wie das der Fall war, war es
unwahrscheinlich, daß der Euro Hauptreservewährung werden könnte: Es hat
nicht viel Sinn, Euros vorzuhalten, wenn sie in Dollar gewechselt werden müssen,
sobald Öl gekauft werden muß. Diese Regelung hieß auch, daß die USA tatsächlich
den gesamten Welt-Ölmarkt teil-beherrschten: Öl konnte nur kaufen, wer Dollar
hatte, und nur ein Land hatte das Recht Dollar zu drucken - die USA. Wenn andererseits die OPEC entscheiden würde, nur Euro für
ihr Öl zu akzeptieren (unterstellt, ihr würde erlaubt, so zu entscheiden),
dann wäre es vorbei mit der amerikanischen Wirtschaftsdominanz. Nicht nur würde
Europa nicht mehr so viele Dollar benötigen, sondern auch Japan, das 80 Prozent
seines Öls aus dem Nahen Osten bezieht, würde es für vernünftig ansehen,
einen Großteil seiner Dollar-Guthaben in Euro-Guthaben umzuwandeln. (Japan
subventioniert die USA am meisten, weil es so viele Dollar-Investitionen getätigt
hat.) Die USA andererseits, als weltgrößte Ölimporteure, würden einen Außenhandelsüberschuß
erzielen müssen, um Euros zu erlangen. Der Wechsel von einem
Handelsbilanzdefizit zu einem Handelsbilanzüberschuß müßte in einem
Augenblick vollzogen werden, in dem ihre Immobilien- und Börsenpreise
zusammenbrechen und das inländische Angebot an Öl und Gas dahin schwindet. Es
wäre eine sehr schmerzliche Umstellung. Die rein wirtschaftlichen Argumente dafür, daß die
OPEC zumindest für eine Weile auf den Euro umzusteigt, scheinen sehr überzeugend.
Die Euro-Zone häuft weder ein riesiges Außenhandelsdefizit auf, noch ist sie
beim Rest der Welt schwer verschuldet, wie die USA, und die Zinsen liegen in der
Euro-Zone merklich höher. Die Euro-Zone hat einen höheren Anteil am Welthandel
als die USA und ist der Haupthandelspartner des Nahen Ostens. Und nahezu alles,
was man für Dollar kaufen kann, kann man auch für Euro kaufen - außer natürlich
Öl. Zudem, wenn die OPEC ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandelt und dann
die Bezahlung des Öls in Euro verlangt, so würden ihre Anlagen sofort im Wert
steigen, weil öleinführende Länder ebenfalls gezwungen wären, Teile ihrer
Guthaben zu konvertieren, was die Preise hochtreiben würde. Für die OPEC wäre
die Stärkung des Euro eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Die OPEC könnte
dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einer anderen Währung übergehen,
vielleicht zurück zum Dollar, und wieder riesige Gewinne machen. Aber natürlich ist das keine rein wirtschaftliche
Entscheidung. Bisher hat es erst ein OPEC-Land gewagt, zum Euro überzugehen:
Irak im November 2000[2],[3].
Es besteht wenig Zweifel daran, daß es sich hierbei um einen bewußten Versuch
Saddams gehandelt hat, gegen die USA zurückzuschlagen. Wirtschaftlich hat es
sich als ein gewaltiger Erfolg herausgestellt: Zum Zeitpunkt der irakischen
Umstellung war der Euro 83 US-Cent wert. Jetzt liegt er über 1,05 Dollar
(Anm. d. Übers.: Mitte März 2003
über 1,10 Dollar). Aber diese Entscheidung könnte auch andere Folgen haben. Ein anderes OPEC-Land hat seit 1999 öffentlich über einen
möglichen Wechsel zum Euro gesprochen: Iran[4],
ein Land, das seitdem zu George W. Bushs „Achse des Bösen“ gehört. Ein drittes OPEC-Land, daß sich kürzlich mit der
US-Regierung entzweit hat, ist Venezuela, und auch dieses Land hat sich illoyal
zum Dollar verhalten. Unter Hugo Chavez’ Regierung hat Venezuela Barter-Geschäfte
(Anm. d. Übers.: Ware gegen Ware) mit zwölf lateinamerikanischen Ländern und
mit Kuba vereinbart. Das heißt, den USA entgeht ihre übliche Subvention, und
das mag erklären, warum die Amerikaner Chávez gehen sehen wollen. Auf dem
OPEC-Gipfel im September 2000 trug Chávez den OPEC-Regierungschefs den Bericht
über das „Iinternational Seminar on the Future of Energy“ vor, einer
Konferenz, die Chávez im gleichen Jahr über das zukünftige Angebot an
fossiler und erneuerbaren Energie einberufen hatte. Eine der beiden zentralen
Empfehlungen war, daß die „OPEC sich
den hochtechnisierten elektronischen Barter- und Bilateral-Austausch ihres Öls
mit ihren Entwicklungsländer-Kunden zu Nutze machen solle“[5],
das heißt, die OPEC solle sowohl den Dollar als auch den Euro bei vielen Geschäften
meiden. Und letzten April hielt ein führender OPEC-Repräsentant
in Spanien während der spanischen EU-Präsidentschaft einen Vortrag, in dem er
verdeutlichte, daß die OPEC zwar noch nicht plane, Öl für Euros anzubieten,
aber daß es eine Möglichkeit sei, die in Betracht gezogen würde und die
durchaus von wirtschaftlichem Vorteil für viele OPEC-Länder sein könnte, vor
allem die im Nahen Osten.[6] Die Ölproduktion in den meisten ölproduzierenden Ländern
sinkt. In den kommenden Jahren wird daher die Bedeutung der großen Ölproduzenten,
besonders derer im Nahen Osten steigen und steigen.[7] Der Irak, dessen Ölproduktion durch die Sanktionen stark
beschnitten worden ist, ist eines der wenigen Länder, die den drohenden Mangel an
Öl lindern helfen können. Europa, ebenso wie der Rest der Welt, wünscht sich
eine friedliche Lösung der Spannungen zwischen den USA und dem Irak und eine
schrittweise Aufhebung der Sanktionen. Das würde seinen Interessen sicher am
meisten dienen. Doch da irkisches Öl in Euro gehandelt wird, könnte seine größere
Verfügbarkeit den Würgegriff des Dollar lockern und
möglicherweise der US-amerikanischen wirtschaftlichen Gesundheit mehr
schaden als nützen. All das sind schlechte Nachrichten für die US-Wirtschaft und den Dollar. Washington muß befürchten, daß künftig nicht nur der Ölpreis nicht in Ordnung ist, sondern auch das Zahlungsmittel nicht. Was vielleicht erklären hilft, warum die USA sich verstärkt ihrem zweiten großen Werkzeug zur Beherrschung der Weltgeschäfte zuwenden: der militärischen Gewalt.[8] T:I:S, im März 2003 [1] Anon., ‘Trade Deficit Surges to a Record High’,
Reuters, (January 17, 2003), http://www.centredaily.com/mld/centredaily/news/4970891.htm [2] Recknagel, Charles, ‘Iraq: Baghdad Moves to
Euro’, Radio Free Europe (November 1, 2000), http://www.rferl.org/nca/features/2000/11/01112000160846.asp [3] Anon., ‘A Look At The World's Economy’, CBS
Worldwide Inc., (December 22, 2000), http://www.cbsnews.com/stories/2000/12/22/2000/main259203.shtml [4] Anon., ‘Iran may switch to euro for crude sale
payments’, Alexander Oil and Gas, (September 5, 2002), http://www.gasandoil.com/goc/news/ntm23638.htm [5] Hazel Henderson, ‘Globocop v. Venezuela’s Chavez:
Oil, Globalization and Competing Visions of Development’, InterPress
Service, (April 2002), http://www.hazelhenderson.com/Globocop%20v.%20Chavez.htm [6] Javad Yarjani, ‘The Choice of Currency for the
Denomination of the Oil Bill’, (April 14, 2002), http://www.opec.org/NewsInfo/Speeches/sp2002/spAraqueSpainApr14.htm [7] The Association for the Study of Peak Oil, Newsletter
26, (February 2003), http://www.asponews.org [8]
Weiterführende Lektüre: William Clark, ‘The Real Reasons for the
Upcoming War With Iraq: A Macroeconomic and Geostrategic Analysis of the
Unspoken Truth’, (January 2003), http://www.ratical.org/ratville/CAH/RRiraqWar.html Siehe auch den einführenden Vortrag zum Thema "Reservewährung" von Thomas Immanuel Steinberg *Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?
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