Antisemitismus

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Zionistische Judäophobie

Die Anti-Defamation League, eine große US-zionistische Organisation, gibt vor, Antisemitismus zu bekämpfen. Die Betreiber der deutsch-zionistischen Internet-Seite honestly concerned übernehmen häufig deren Beiträge, wie diesen:  

ADL Anti-Semitism in Arab Media

Al-Watan, November 24, 2005 (Saudi Arabia) In Arabic: "The big Middle East."  

Die Karikatur stammt offenbar aus Al-Watan, einer saudi-arabischen Zeitung. Die US-Anti-Defamation League fand sie antisemitisch. Auf dem Topf stünde "The big Middle East". Vermutlich bedeutet die Aufschrift The Greater Middle East; ein Begriff, mit dem die Neo-Cons das Gebiet von Mauretanien bis Afghanistan bezeichnen - ihr gegenwärtiges Expansions-Areal. Uncle Sam und ein - ja was - ein Mann mit Davidstern am Hut kochen den Größeren Nahen Osten gar.

In den Augen der US- und Deutsch-Zionisten ist jeder judäophob, der Israels Staats- und Regierungspolitik angreift. Genauer: Sie wollen, daß jeder als judäophob gilt, der das tut. Sie wollen den Unterschied zwischen Juden und Israelis verwischen und den zwischen Regierung und Landesbewohnern. Nicht nur fördern sie damit die Judäophobie, sie sitzen ihr selbst auf. 

Die tatsächlich bestehende massive Judäophobie in Saudi-Arabien, wie in Ägypten und anderswo, kommt Uncle Sam sehr zupaß: Können doch seine Vasallenregime durch Ablenkung auf Dritte die Volksmassen im Schach halten. Wollte der große Freund der israelischen Staats- und Regierungspolitik gegen Judäophobie vorgehen, dann müßte er die militärische, politische und wirtschaftliche Unterstützung für die Vasallenregimes einstellen, ebenso wie für den israelischen Staat. Das US-Kapital würde damit allerdings auf ganz viel Profit verzichten... Na, dann  lieber doch Judäophobie in Saudi-Arabien und Ägypten, und die Karikaturen bleiben judäophob, oder auch mal nicht, wie hier.

T:I:S, 4. Dezember 2005

*

Michael Neumann hat unter dem Titel „Was ist Antisemitismus?“ geschrieben: „Ich denke, wir sollten Antisemitismus nur selten ernst nehmen, vielleicht sollten wir eher drüber stehen. Ich denke, für den Israel-Palästina-Konflikt ist er besonders belanglos, es sei denn, um damit vielleicht von den wirklichen Themen abzulenken.“ Neumann begründet seine Position ausführlich. Er lehrt Philosophie an der Trent-Universität in Ontario, Kanada.

T:I:S, 25. Oktober 2005

*

Wie der große Freund der israelischen Regierung den Antisemitismus bekämpft. 

 

So. 

»Sie fragten auch, ob ich Osama Bin Laden kenne. Ich sagte, daß ich ihn aus dem Fernsehen kenne.« Sie stellen viele solche Fragen, auch nach Saddam Hussein. »Ich hatte das Gefühl, sie suchten nach etwas, was sie mir anhängen könnten. Dann sagten sie, ich sei ein Antisemit, worauf ich ihnen erklärte, daß die Semiten zu den Vorvätern der ganzen Menschheit gehörten. ›Du weißt, was wir meinen‹, sagten sie.«

aus: 

Lars Akerhaug: Gefoltert in Abu Ghraib. Das Bild des gemarterten Haj Ali Al-Qaisi ging im April 2004 um die Welt. Erstmalig schildert er seine Leidensgeschichte. Lesen Sie in den Bericht in der jungen Welt vom 22. September 2005 und vergleichen Sie ihn mit Berichten über Nazi-Folter.   

T:I:S, 22. September 2005

*

1. Mißbrauchter Antisemitismus mit Anhang A und B
2. Selber schuld?
3. Begriffskärungen 

 

1. Mißbrauchter Antisemitismus

 von Ran HaCohen 

Der Abend vor dem Jüdischen Neujahrstag ist eine ausgezeichnete Gelegenheit für das, was die jüdische Tradition Keschbon Nefesch oder Gewissensprüfung nennt, und zwar zum sogenannten Antisemitismus, der heute das bei weitem wichtigste Element jüdischer Identität ausmacht. Juden mögen an Gott glauben oder nicht, Schweinefleisch essen oder nicht, in Israel leben oder anderswo, doch sie sind alle vereint im uneingeschränkten Glauben an den Antisemitismus.

Wenn ein Palästinenser unschuldige Zivilisen tötet, ist es Antisemitismus. Wenn Palästinenser Soldaten der israelischen Besatzungsarmee in ihrem eigenen Dorf angreifen, ist es Antisemitismus. Wenn die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit 133 gegen 4 Stimmen Israels Entscheidung verurteilt, den gewählten palästinensischen Führer zu ermorden, heißt das: Außer den USA, Mikronesien und den Marshal-Inseln sind alle Länder des Erdballs antisemitisch. Selbst wenn eine schwangere Palästinenserin an einem israelischen Kontrollpunkt angehalten wird und unter freiem Himmel ein Kind gebiert, ist die einzige Lektion daraus, daß der Haaretz-Journalist Gideon Levy – der über zwei solcher Fälle in den letzten zwei Wochen berichtete, wobei in einem Fall der Säugling starb – ein Antisemit ist.

Antisemitismus ist eine allumfassende Erklärung. Was immer antipalästinensischen Ohren mißfällt, ist nur ein weiterer Fall von Antisemitismus. Auf Antisemitismus gerichtete jüdische Aufmerksamkeit hat die Form antisemitscher Verschwörungstheorien angenommen, wie die der „Protokolle der Weisen von Zion“: Während der klassische Antisemit jedes Unglück mit der jüdischen Verschwörung in Verbindung bringt, bringen Juden jede Kritik an Israel mit der antisemitischen Verschwörung in Verbindung. Wie wir sehen werden, ist das nicht die einzige Ähnlichkeit zwischen Antipalästinensertum und Antisemitismus.

Es wird höchste Zeit, laut zu sagen: Im gesamten Verlauf der jüdischen Geschichte, seit dem Babylonischen Exil im 6. Jahrhundert vor Christus, gab es nie eine Epoche, die mit weniger Antisemitismus gesegnet war als unsere. Es gab nie eine bessere Zeit, als Jude zu leben, denn unsere.

Gerade einmal vor zwei Generationen war Antisemitismus eine legitime politische und kulturelle Haltung in den meisten der führenden Staaten der Welt. Antisemitismus konnte man offen aussprechen, sogar stolz darauf sein. Juden nicht mögen war so natürlich wie heute der Abscheu vor Kakerlaken. Heute ist Antisemitismus ein Tabu und gesetzwidrig in jedem entwickelten Land der Erde. Selbst wirklich antisemitsche Gruppen leugnen ihre antisemitischen Züge, weil sie wissen, daß das politisch inakzeptabel ist. Anders als in früheren Jahrhunderten, als der Antisemitismus direkt proportional zur Zahl der Juden im jeweiligen Land war und daher eine wirkliche Gefahr für sie darstellte,  leben in Ländern, in denen heute noch Antisemitismus blüht,  - meist arme islamische Länder – praktisch keine Juden, so daß die tatsächliche Gefahr für Juden dort sehr gering ist. Repräsentanten islamischer Gemeinden im Westen müssen ihren Antisemitismus aufgeben, wenn sie ins politische System gelangen wollen.

Vor wenigen Generationen – vom Holocaust abgesehen – wurden Juden in allen größeren Ansammlungen als Bürger zweiter Klasse behandelt. Ihnen waren bürgerliche und religiöse Rechte fast überall verwehrt. Es gab Zugangsbeschränkungen zu Universitäten und vielen Berufen, zum öffentlichen Dienst und zu jeglicher Machtstellung. Manchmal unterlagen sogar Heirat und Zeugung Quoten und Genehmigungen. Solche institutionalisierte Diskriminierung und Unterdrückung ist heute nicht nur völlig erloschen: sie ist schlicht unvorstellbar. Mit einer aufschlußreichen Ausnahme, nämlich Israel, wo nicht-orthodoxe religiöse Juden diskriminiert werden, genießen Juden völlige religöse Freiheit wo auch immer. Sie sind voll gültige Staatsbürger, wo immer sie leben, mit allen politischen bürgerlichen und humanitären Rechten wie jeder andere Bürger. Das mag banal klingen, aber es war nicht so vor gerade einmal ein paar Generationen und durchweg nicht während des ganzen ersten und zweiten Jahrtausends. Repressive Regime sind entweder zusammen gebrochen, oder die jüdische Bevölkerung hat das Land verlassen.

Heutzutage kann ein orthodoxer Jude sich um das mächtigste Amt der Welt bewerben, nämlich als Präsident der Vereinigten Staaten (Ich persönlich hoffe, daß er nicht gewinnt). Ein Jude kann Bürgermeister von Amsterdam werden, im „antisemitschen“ Holland, Minister im „antisemitischen“ Großbritannien, führender Intellektueller im „antisemitschen“ Frankreich, Präsident der „antisemitischen“ Schweiz, Chefredakteur einer führenden Tageszeitung im „antisemitschen“ Dänemark oder Industriemagnat im „antisemitischen“ Rußland. Nichts von dem war vor einem Jahrhundert vorstellbar. Juden haben freien und unbegrenzten Zugang zu jeder Einrichtung des Landes, in dem sie leben. Ironischerweise wird sogar ein konvertierter Jude als möglicher Nachfolger auf dem Heiligen Stuhl genannt. Gleichzeitig übergibt das „antisemitische“ Deutschland – die Heimat der am schnellsten wachsenden jüdischen Gemeinde der Welt – Israel gratis drei U-Boote, das „antisemitische“ Frankreich hat an Israel die Nukleartechnologie für seine Massenvernichtungswaffen weiter gegeben, und das „antisemitische“ Europa hat Israel als einziges nicht-europäisches Land bei sich begrüßt, von der Fußball- und Basketball-Liga bis zum Eurovisions-Wettbewerb, und es hat israelischen Universitäten einen Sonderstatus bei der Gewährung von Forschungsmitteln gewährt.

Der Holocaust war die größte Katastrophe in der jüdischen Geschichte und zählt zu den größten Verbrechen der Menschheitsgeschiche – aber die bloße Tatsache, daß diese Worte so selbstverständlich klingen, stellt einen großen Sieg über den Antisemitismus dar. Der Begriff Genozid, geprägt von dem jüdischen Holocaust-Überlebenden R. Lemkin und entwickelt am Genozid an den Juden, hat ins Völkerrecht Eingang gefunden und wurde als Verbrechen von fast allen Ländern der Erde anerkannt, die USA – mit beschämender Verspätung – eingeschlossen. Der Holocaust ist – zu Recht! – zum Prototyp des Genozids geworden, eines Synonyms für Verbrechen gegen die Menschheit. Es gab mehrere andere Genozide im 20. Jahrhundert – nur der Genozid der Türken an den Armeniern sei genannt, Vorgänger und Vorbild des Holocaust, und der Genozid der Hutu in Ruanda, der sogar „effizienter“ war als der Holocaust. Dennoch, während andere Genozide noch darum ringen, auch nur anerkannt zu werden, steht der Holocaust in einem solchen Maße außer Frage, daß seine Leugnung in manchen Ländern strafbar ist. Kein anderer Genozid kommt der Zahl von 250 Museen und Forschungseinrichtungen auch nur nahe, die dem Holocaust auf der Welt gewidmet sind, und keine anderen Genozid-Überlebenden sind finanziell so entschädigt worden wie die verfolgten Juden. In einer solchen Welt hat jemand, der zweimal am Tag „Antisemitismus“ schreit, eine extrem schwere Beweislast auf dem Buckel.

Der Staat Israel hat behaupteten Antisemitismus immer zynisch ausgenutzt und wie es ihm paßte, angeblichen Antisemitismus verurteilt  oder mit tatsächlichen Antisemiten zusammen gearbeitet. Letzte Woche, um nur ein kleines Beispiel zu nennen, war die Welt außer sich über die Behauptung des italienischen Monarchen Berlusconi, daß sein faschistischer Vorgänger Mussolini „niemand getötet, sondern nur Leute in den Urlaub ins Exil geschickt“ habe – was einer Holocaust-Leugnung ziemlich nahe kommt. Doch die einzige offizielle israelische Reaktion war die eines ungenannten Sprechers des Staatssekretärs im Finanzministerium, der murmelte. „Wenn diese Worte gefallen sind (!), dann kann man mit ihnen nicht übereinstimmen, da die Geschichte für sich selbst spricht.“ (Haaretz,14.9.2003, Seite 12 unten). Der Grund für diesen ohrenbetäubenden Aufschrei ist einfach: Berlusconi, wie die meisten Rechtsextemisten, hat in Europa eine dezidiert proisraelische Position eingenommen. Dann laß’ ihn doch sogar den Holocaust leugnen, wenn er mag, Israel wird Verständnis zeigen. Im übrigen war Israel einer der engsten Verbündeten des rassistischsten Regimes in der Zeit nach dem Zeiten Weltkrieg, dem südafrikanischen Apartheid-Regime. Moralische Erwägungen haben in der Politik und Diplomatie Israels nie irgendeine Rolle gespielt.

Auf staatlicher Ebene mögen manche das als Realpolitik entschuldigen. Die institutionalisierte Israel-Lobby hat sich in solch einem Ausmaße kompromittiert, daß ich nicht überrascht wäre, wenn, sagen wir, die Anti-Defamation League, die täglich blinden Antisemitismusalarm schlägt, den Faschismus-Apologeten Berlusconi als hervorragenden Statsmann preisen würde.

Distinguished statesman? Mussolini not so bad, says gaffe-prone Silvio Berlusconi.Silvio Berlusconi
aus: The Jewish Week, New York

Genau dieser Weltrekord im Heucheln wurde diese Woche erzielt (siehe auch Anhang A). Weit mehr beunruhigt der starke Rückgriff auf behaupteten Antisemitismus bei jüdischen Einzelpersonen und Organisationen, die versuchen, ein integres Aussehen zu bewahren. Solche Behauptungen treten in vielen schöpferischen Formen auf. Zum Beispiel vertreiben sich manche Juden auf moralisch abstoßende Weise die Zeit, indem sie nach schlimmsten Fällen der Repression Ausschau halten – nach russischen Greueltaten in Tschetschenien (russische Tschetschenien- Veteranen gehen übrigens zur israelischen Armee, siehe Anhang B), oder nach chinesischen in Tibet – was beweisen soll, daß die Medienaufmerksamkeit für Israel antisemitisch motiviert sei. Als wäre es nicht fürchterlich genug, als größter Übeltäter in die engste Wahl gekommen zu sein; als ob nur die Goldmedaille in diesem teuflischen Wettkampf, nicht Bronze oder Silber, Protest verdienten. Und ich frage mich, wieviele dieser proisraelischen Lehnstuhl-Tibet-Spezialisten sich wohl je bemüht haben, etwas zur Befreiung Tibets zu tun außer sein Leid auszubeuten, um von den israelischen Greueltaten abzulenken.

Der Mißbrauch von angeblichem Antisemitismus ist moralisch verwerflich. Es brauchte Hunderte von Jahren und Millionen von Opfern, bis der Antisemitismus – ein besonderer Fall von Rassismus, der geschichtlich zum Genozid führte – tabuisiert war. Menschen, die dieses Tabu dazu mißbrauchen, Israels rassistische und genozidale Politik gegen die Palästinenser zu unterstützen, schänden, ja, schänden das Andenken jener jüdischen Opfer, deren Tod aus humanistischer Sicht Sinn nur insofern hat, als er der Menschheit als ewige Warnung vor allen Arten der Diskriminierung, des Rassismus und des Genozids dient.

Darüber hinaus die Täter als Opfer darzustellen – eine Standardmuster antipalästinensischer Propaganda – ist genau das, was der Antisemitismus immer getan hat: durch blutrünstige Verleumdungen, die wehrlose jüdische Opfer als Mörder christlicher Kinder darstellten; oder durch die höchste Anklage als Christus-Mörder, welche die Verfolgung der Frühchristen mißbrauchte zur Verfolgung der Juden, sobald das Machtgleichgewicht kippte. So stellt die Berufung auf die jüdischen Opfer der Vergangenheit zur Verteidigung der jüdischen Täter der Gegenwart – Israel verfügt über eine der stärksten Armeen der  Welt – eine moralische Schwäche dar, die dem Antisemitismus selbst ebenbürtig ist und ihm beklemmend ähnelt. 

Frohes Neues Jahr 5764 

Ran HaCohen, 29. September 2003 

Ran HaCohen lehrt an der Universität Tel Aviv.
Verbesserte Übersetzung von Thomas Immanuel Steinberg, 22. November 2003
Quelle: http://www.antiwar.com/hacohen/h092903.html

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Anhang A

http://rasa.iht.com/articles/110482.html 
Copyright © 2003 The International Herald Tribune | www.iht.com

Despite his gaffe, Jewish group will honor Berlusconi

The Associated Press
Friday, September 19, 2003
 

ROME A New York-based organization that fights anti-Semitism and bigotry is giving Prime Minister Silvio Berlusconi its Distinguished Statesman Award next week, despite controversy over the Italian leader's recent comment that the Fascist dictator Benito Mussolini never killed anyone.

The Anti-Defamation League's award highlights mixed feelings raised by Berlusconi, who shows strong support for Israel while sometimes serving up awkward public comments.

"People have been calling me, 'Are you canceling the dinner?'" said Abraham Foxman, national director of the Anti-Defamation League, which will give the award Tuesday. "The answer is no. He's a friend, he's a good friend. But he's a flawed friend."

Foxman said by phone from New York on Wednesday that Jews appreciate many of Berlusconi's policies, like his support of the United States in its war in Iraq and against terrorism, as well as his approach to Israel. As for the Mussolini comment, Foxman characterized it as an inappropriate gaffe.

The statement, which appeared last week in a London conservative weekly, The Spectator, and in a small Italian paper, was made after an interviewer equated Iraq after Saddam with Italy in the years after Mussolini.

"Mussolini never killed anyone," Berlusconi was quoted as saying. "Mussolini used to send people on vacation in internal exile."

Berlusconi later said he had never intended to recast the history of Mussolini. "Simply, as an Italian, I didn't accept his comparison, or the comparison of my country to another dictator or another dictatorship, that of Saddam Hussein, which caused millions of deaths," the prime minister said last week.

Berlusconi sought to patch up his relationship with Italian Jews in a meeting Wednesday with its leaders. After the meeting, Berlusconi's office said he had expressed "regret" for the group's pain, while blaming the matter on unfair interpretations of his views.

Mussolini ruled Italy from 1922 until his ouster in 1943. Widespread persecution of Italian Jews began in 1938, when his regime issued racial laws. In 1943, German troops occupied northern and central Italy, and almost 7,000 Jews were deported, 5,910 of whom were killed.

There are now about 30,000 Jews in Italy, mainly in Rome and Milan.

One longtime Italian Jewish leader, Tullia Zevi, suggested to the Anti-Defamation League that it should not give Berlusconi an award now. But Foxman was sticking by the decision.

"I also said to her, 'We are not giving it in the name of the Italian Jewish community. We're giving it in the name of the Anti-Defamation League, we're giving it as American citizens who appreciate what he's done,'" Foxman said.

 

Anhang B

http://www.haaretz.com/hasen/spages/342615.html
1c7e362.jpg
w w w . h a a r e t z d a i l y . c o m 
Last update - 02:33 22/09/2003

Chechnya veterans serve as IDF snipers

By Amos Harel

The IDF has recently begun stationing new immigrant soldiers, veterans of the Russian army's fighting in Chechnya, as snipers in the territories. The snipers have been organized into a unit known as the "immigration (aliyah) brigade." Membership in this unit, which came into being after the outbreak of the intifada, is made up mainly of relatively older immigrants, aged 40 or older, who were not eligible for reserve duty because of their age. Nevertheless, they volunteered to serve on security details in the settlements.

The members of the unit had requested that they be allowed to contribute the skills they learned as sharpshooters during the fighting in Chechnya between the Russian army and Chechnyan separatists. So the IDF began stationing some of them in its reserve units in the territories. Immigrants with special sharpshooter skills then began to assist the army in overcoming weak points in various locations in the territories.

A senior security official told Haaretz that some of the immigrants are much more highly trained and experienced as sharpshooters than is the norm in the IDF. While the IDF conducts a five-week snipers' course, the Russian army trains its sharpshooters for about a year in infantry units.

The official also said that the professional experience gained by the immigrants in Chechnya had been very helpful to the IDF in the fighting in the territories. He noted that local commanders in units where the immigrant-snipers have been stationed pressure their superiors to keep them on duty for extended periods of time.

Over the last decade, the IDF has changed and significantly improved its method of sniper training. A large number of the armed Palestinians that have been injured during violent incidents in the territories over the past three years have been shot by IDF snipers. The same was true of incidents involving the Hezbollah in Southern Lebanon during the years prior to the withdrawal of the IDF in May 2000.

New immigrants from the FSU also make up a significant number of the sharpshooters in the ranks of the regular army. The number of sharpshooters among the new immigrants is greater than their relative numbers in other combat units (where they make up approximately one-fourth of all combat soldiers). IDF officers claim that the new immigrant soldiers usually have more patience than their native-born Israeli counterparts, with patience an important characteristic required of snipers. The officers say that the mew immigrants also stand out in terms of their technological know-how and skills, which is one of the important requirements for entry into a sharpshooters' training course.

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*

Thomas Immanuel Steinberg

2. Selber schuld? 

Ariel Scharon:

Der israelische Premierminister Ariel Scharon erklärte, ausländische Kritik am israelischen Einsatz von Gewalt gegen den dreijährigen Aufstand der Palästinenser sei motiviert durch eine neue Form von Antisemitismus.  

„Rund um die Welt wird Israel immer wieder kritisiert, weil es sein Recht auf Selbstverteidigung unter Anwedung exzessiver Gewalt ausübe“ sagte Scharon auf Englisch jüdischen Aktivisten aus Kanada am letzten Mittwoch.  

Diejenigen, die Israels „Recht auf Selbstverteidigung durch Gewaltanwendung“ zurückwiesen, würden tatsächlich auch sein „Geburtsrecht auf Existenz“ in der angestammten Heimat leugnen, fügte er hinzu.  

„Bedauerlicherweise beobachten wir diese Erscheinung bei vielen Nationen in der Weltgemeinschaft, und ich würde sagen, das ist eine neue Form von Antisemitismus“, sagte Scharon.  

Quelle: Reuters, Jerusalem, 13. November 2003 (Eigene Übersetzung)

George Soros:

Der US-amerikanische Milliardär und Finanzier des beginnenden Wahlkampfs gegen Bush, George Soros erklärte:

"Es gibt ein Wiedererstarken des Antisemitismus in Europa. Die Politik der Regierung Bush und der Regierung Scharon tragen dazu bei. Wenn wir diese Richtung ändern, wird auch der Antisemitismus verschwinden. Ich kann nicht sehen, wie man ihn direkt bekämpfen könnte."

Und: 

"Wenn ich Bush sagen höre, 'Ihr seid entweder für oder gegen uns', dann erinnert mich das an die Deutschen." Soros, ungarisch-jüdischer Herkunft, emigrierte 1947 nach England und später in die USA.

zitiert aus: Michaela Simon: Kampf der Giganten. George Soros gegen George W. Bush. Telepolis auf www.heise.de vom 11. November 2003

Soros klingt, als meine er, die Juden seien selber Schuld an ihrer Verfolgung. In Wirklichkeit ist die Ursache für Antisemitismus bei den Antisemiten zu suchen, nicht bei den Juden. Wer die Erklärung für Antisemitismus bei Juden sucht, ist selbst des Antisemitismus verdächtig - siehe unten die Begriffsklärungen aus einem etwas älteren Vortrag. Ist der Jude Soros Antisemit?

Soros wird wissen, daß Antisemitismus nicht vom Verhalten der Juden kommt. Zu beobachten ist aber zunehmender Haß: auf "die USA" und auf "Israel". Zu diesem Haß tragen Bush und Scharon zweifellos bei, auch weil kaum unterschieden wird zwischen einem Land und seinen Herrschenden, zwischen den Herrschenden und ihren Gegnern im Lande. Doch Haß auf irgendwelche Leute ist nicht zugleich antisemitisch, nur weil diese Personen Juden sind. Soros hofft, so interpretiere ich, daß der Haß auf die USA, die US-Amerikaner, Israel und die Israelis, die er fälschlich mit Juden gleichsetzt, verschwindet, wenn die US-amerikanische und die israelische Politik sich ändern. Er will Bush und seinen Pudel Scharon entmachten und so dem Haß entgegentreten.

Allerdings schickt Premierminister Scharon seinen Schandtaten ein scharfes Gebell hinterher. Mit seinem Krieg gegen die Palästinenser übe er nur das israelische  „Recht auf Selbstverteidigung durch Gewaltanwendung" aus. Wer das kritisiere, sei Antisemit. Erstens lügt Scharon die Kolonisierung der Palästnenser in Selbstverteidigung um. Zweitens diffamiert er diejenigen, die seine Kolonialpolitik ablehnen, als Antisemiten. Das dürfte den Zorn oder Haß derer steigern, die sich aus dem Antisemitismusvorwurf etwas machen. Scharon schürt den Haß gerade derjenigen, die keine Antisemiten sind.

Scharon nutzt den - entsetzlich oft - berechtigten Antisemitismusvorwurf ab. Er schlägt Scharten in diese mühsam geschmiedete Waffe. Bush sekundiert mit einem dem Emigranten Soros faschistisch anmutenden Freund-Feind-Schema. 

Beide schaden den Juden in Israel und in der Welt. Sie schaden uns, die wir Haß und Krieg verabscheuen.

14. November 2003 

*

Den Stand der Diskussion über Antisemitismus-Vorwürfe im September 2003 spiegelt wider:

Rudolf Walther : Erpresste Verrenkung.ALARMGLOCKEN: Der Antisemitismus-Verdacht ist schnell bei der Hand und verkauft sich gut. Ein Nachtrag zur Debatte um Ted Honderich. Freitag vom 19.09.2003  http://www.freitag.de/2003/39/03390701.php 

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*

Thomas Immanuel Steinberg

3. Begriffsklärungen

Vortrag, gehalten am 9. November 2002, 14 Uhr in Neuruppin  
Siehe Mittendrin / inforiot

A. Antisemitismus 
 
1. Antisemitismus ist Abneigung oder Feindseligkeit gegen Juden. Als Semiten werden dagegen Sprecher bestimmter Sprachen – phönizisch, maltesisch, hebräisch aramäisch, arabisch, amharisch, tigrina – bezeichnet. Wenn der arabisch-sprachige Karsli von der FDP sagt, er könne gar nicht Antisemit sein, weil er selber Semit ist, so gibt er den Till Eulenspiegel. 
 
2. Die Ursache für Antisemitismus ist bei den Antisemiten zu suchen, nicht bei den Juden. Antisemiten „haben etwas von ihrem Antisemitismus“ – wie überhaupt diskriminiert und unterdrückt wird um eines Vorteils willen. 
 
3. Wer die Erklärung für Antisemitismus bei Juden sucht, ist selbst des Antisemitismus verdächtig. 
 
4. Häufig dient den Antisemiten gerade dasjenige Verhalten von Juden als Rechtfertigung für ihren Antisemitismus, das durch den Antisemitismus erst hervorgerufen wurde. 
 
B. Antizionismus 
 
5. Der Zionismus war eine europäisch-jüdische Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts zur Ansiedlung und Bildung eines jüdischen Staates in Palästina. Bis 1933 lehnten die meisten europäischen Juden den Zionismus ab – insofern waren sie Anti-Zionisten. 
 
6. Noch heute gibt es orthodoxe Juden in Israel, die die Bildung des Staates Israel, vor allem den Wehrdienst, ablehnen. Sie werden auch als Antizionisten bezeichnet. 
 
7. Viele Kommunisten, auch solche jüdischer Herkunft, wandten sich gegen Initiativen zu einer eigenen jüdisch-kommunistischen Bewegung. Ihre Position vermischte sich mit der sowjetischen gegen einen pro-westlichen Staat Israel nach 1949 und mit Antisemitismus. Ergebnis war der Antizionismus der Warschauer-Pakt-Staaten. Er war stark antisemitisch geprägt bis zu Stalins Tod (Slanski-Prozesse in der Tschechoslowakei) und wieder nach dem 6-Tage-Krieg 1967 - vor allem in Polen. Am wenigsten antisemitisch gefärbt war der Antizionismus in der DDR. DDR-Autor Jurek Becker („Jakob der Lügner“) sagte einmal bei einer Lesung in Frankfurt am Main um 1980, die DDR sei der am wenigsten antisemitische Staat in ganz Europa. 
 
8. Heute wird von arabischer Seite als Zionist bezeichnet, wer Israel überhaupt, oder bestimmte Teile seiner Politik, befürwortet. Entsprechend wäre Antizionist, wer Israels Existenz oder Teile seiner Politik ablehnt. Da in der Regel als Antisemit anzusehen ist, wer die Existenz Israels ablehnt, bleibt der Begriff in diesem Sinne diffus. Außerdem schwingen seine älteren Bedeutungen unregelmäßig mit. 
 
C. Antiisraelismus 
 
9. Mit Antiisraelismus kann Opposition zur israelischen Staats- oder Regierungspolitik gemeint sein.  
 
D. Antisemitismus wurde schon mit allem möglichen verknüpft. 
 
10. Antisemitismus hat sich in der Vergangenheit mit Ablehnung oder Feindseligkeit gegen verschiedenste Gruppen gepaart: in Frankreich zur Zeit der Affäre Dreyfus mit Feindschaft gegen alles Deutsche; unter den Nazis und in den USA zur Zeit von Ethel und Artur Rosenberg mit Antikommunismus; in Algerien während des Krieges mit Antikolonialismus u.s.w. Wenn „Antideutsche“ oder die Gruppe um Uwer und von der Osten-Sacken behaupten, Antisemitismus sei in Deutschland gerade mit Antiamerikanismus gepaart, so schwätzen sie dummes Zeug. 
 
N.B. Antiamerikanismus ist m.E. in Deutschland heute kein verbreitetes Phänomen. 
 
E. Was tun – was lassen? 
 
11. Antisemitismus ist in Deutschland verbreitet und verwurzelt. „Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen ...“ – das hat einen bösen Unterton. Wer die Staats- oder Regierungspolitik Israels kritisieren will, darf das tun, außer in den Tendenzbetrieben der Springer-Presse. In Wahrheit wird häufig nicht nur Israel kritisiert, sondern es wird gegen Israelisches mobilisiert, nicht aber gegen Deutsches, Palästinensisches, US-Amerikanisches, selbst wenn das bei uns wichtiger wäre. In solchen Fällen, fürchte ich, schwingt Antisemitismus mit. 
 
12. Was gegen Antisemitismus getan werden kann, sollte getan werden. Der Sache abträglich scheint mir eine Art „Auf-der-Lauer-liegen“, wie es die Anti-Deutschen praktizieren. 
 
13. Abschließend eine allgemeine Bemerkung zu Kritik an israelischer Politik: 
 
11 Millionen Juden gab es in Europa 1933. Davon haben die Deutschen etwa 6 Millionen ermordet und fast alle übrigen vertrieben.  
 
Die Städte Hamburg, Berlin und München haben zusammen 6 Millionen Einwohner. Man stelle sich vor, alle Hamburger, Berliner und Münchner wären ermordet.  
 
5 Millionen Einwohner haben die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Man stelle sich vor, die Länder wären entvölkert. 
 
Wie lange würde es wohl dauern, bis wir Deutsche uns von den - hier nur vorgestellten - Mördern und Vertreibern ganz in Ruhe eine sachliche Kritik vorgetragen ließen? 
 
Ratschläge von uns werden Israelis nicht hören wollen. Wir sollten sie ihnen nicht zumuten. 
 
Hamburg, 6. November 2002 
 
 
Literaturhinweise 
 
Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Leipzig: Reclam 1990 
 
Aroneanu, Eugène / Service d’Information der Crimes de Guerre : Camps de Concentration. Crimes contre la personne humaine. Série Documents pour servir à l’histoire de la guerre. Paris : Office Français d’Édition 1945.
Deutsch : Konzentrationslager Dokument F 321 für den internationalen Militärgerichtshof Nürnberg. Frankfurt am Main: Zweitausendeins 1999 (16. Auflage) 
 
Bauman, Zygmunt: Modernity and the Holocaust. Deutsch: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Aus dem Englischen übersetzt von Uwe Ahrens. Stuttgart: Europäische Verlagsanstalt 1992 
 
Browning, Christopher R.: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Deutsch von Jürgen Peter Krause. Reinbek: ro ro ro 1996 
 
Elsässer, Jürgen: Antisemitismus – das alte Gesicht des neuen Deutschland. Zeitthemen. Berlin: Dietz 1992 
 
Fassbinder, Rainer Werner: Die bitteren Tränen der Petra von Kant. Der Müll, die Stadt und der Tod. Frankfurt am Main: Verlag der Autoren 1980 
 
Finkielkraut, Alain: Le Juif imaginaire. Paris : Seuil 1980. Deutsch : Der eingebildete Jude. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 1984 
 
Hilberg, Raul: Perpetrators, Victims, Bystanders. The Jewish Catastrophe 1933 – 1945. New York: HarperCollins 1992. Deutsch: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 – 1945. Frankfurt am Main: Fischer 1992 
 
La Boétie, Étienne de: De la servitude volontaire ou Contr’un, suivi de sa réfutation par Henri de Mesmes. Édition et présentation de Nadia Gontarbert, suivi de Mémoire touchant l’édit de janvier 1562, présenté par Annie Prassoloff.
Paris : Gallimard 1993 (liegt auch deutsch vor) 
 
Radtke, Frank-Olaf: Lob der Gleich-Gültigkeit. Die Konstruktion des Fremden im Diskurs des Multikulturalismus. In: Das Eigene und das Fremde. Neuer Rasismus in der Alten Welt? Hrsg. v. Uli Bielefeld. Hamburg: Junius 1991, S. 79 – 96 
 
Sartre, Jean-Paul: Réflexions sur la question juive.
Collection Idées. Paris: Gallimard 1954 (liegt auch deutsch vor) 
 
Zwerenz, Gerhard: Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond. Roman. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 1976 

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