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Thomas Immanuel Steinberg

Euro greift Dollar an: Bush schlägt zurück

 

Jeder kann Geld machen. Wer es tut, kann damit mehr Geld machen, zum Beispiel, indem er es verleiht. Deshalb ist uns das Geldmachen per Münzregal verboten: Nur der Fürst darf Geld machen, denn nur er soll mit Geld mehr Geld machen können.

Im Handel über Währungsgrenzen hinweg ist entweder Geld gar nicht im Spiel: Das sind Geschäfte Ware gegen Ware, sogenannte Barter-Geschäfte. Der Tausch vollzieht sich gemäß Verrechnungseinheiten. Oder die Währungsbanken (also die Fürsten) hüben und drüben sind beteiligt. Dann regelt sich der Handel über einen Wechselkurs. Ist der Wechselkurs variabel, so bedeutet sein Schwanken ein Risiko für die Händler. Ist er fix, muß er spätestens bei Verschiebungen in der Wirtschaftskraft der beteiligten Währungsgebiete angepaßt weden. Das Schwankungsrisiko ist so also nicht auszuschalten.

Ein Zweites. In der Regel führt ein Währungsgebiet nicht exakt soviel aus einem anderen Währungsgebiet ein, wie es dorthin ausführt. Der Ausgleich vollzieht sich entweder über weitere Währungsgebiete oder über den Erwerb bzw. Verkauf von Vermögensgütern von bzw. an Wirtschaftssubjekte im anderen Währungsgebiet. Das bedeutet: Wer dauerhaft mehr aus- als einführt, erziehlt einen sogenannten Warenexportüberschuß. Er häuft im fremden Währungsgebiet Erlöse in Fremdwährung an. Aus den Erlösen erwirbt er Grundstücke, Fabriken, Aktien oder Anleihen im fremden Währungsgebiet. Diesen Vorgang nennt man - etwas verwirrend - Kapitalexport.

Mit einem Warenexportüberschuß geht also Kapitalexport, nämlich Erwerb von Vermögen im Fremdwährungsgebiet einher.

Ein Drittes. Wegen des Wechselkursrisikos und allerhand weiterer Verwerfungen bei ungeregeltem internationalem Warenverkehr erscheint eine Welteinheitswährung im Außenhandel angebracht. Dann muß nicht immerfort zwischen verschiedenen Währungen ausgeglichen werden. Von der Einheitswährung muß dann aber jedes der beteiligten Fremdwährungsgebiete eine Reserve halten, damit es handeln kann. Eine solche Reservewährung war einmal das Gold und ist gegenwärtig noch weitgehend der Dollar. Da die USA den Dollar machen, also das internationale Münzregal besitzen, können sie, wie jeder Fürst, aus Geld mehr Geld machen. Die USA drucken einfach mehr Dollar, führen damit mehr Waren ein, als sie ausführen. Das können sie erstens, weil alle andern große Mengen Dollars in Reserve halten müssen, um handeln zu können. Das können die USA aber zweitens, weil sie den Erwerb von Vermögen in ihrem Währungsgebiet durch Wirtschaftssubjekte außerhalb ihres Währungsgebiets akzeptieren. Das heißt: Die saudischen, deutschen und japanischen Konzerne legen die durch Warenexport erlösten Dollar in den USA an, solange sie das für relativ ertragreich und relativ risikoarm halten.

Solange... Und wenn sie Kapitalanlagen in den USA nicht mehr für ertragreich oder für gefährdet halten, was dann?

Was dann ist, steht in diesem Aufsatz, mit aktuellen Links darüber. Zur britischen Dominanz durch Ölhandel ausschließlich in Pfund Sterling siehe Milan Rai

Vortrag, gehalten am 3. April 2003 um 19.30 h in der AGDAZ, Steilshoop

 

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